Black & white

Aufgeschnappt, Fernweh

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Vacanze 2018 in den Bergen Liguriens. SO muss es sein…

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Putzig

Aufgeschnappt

Eine ideale Filmkulisse, in der tatsächlich wirkliche Menschen leben – GÖRLITZ an der Neisse. Deutschlands östlichste Stadt, eine der vier Zipfelkommunen, hat den Zweiten Weltkrieg fast unversehrt überstanden und ist heute eine pittoreske Kleinstadt, ideal für einen ausgedehnten Spaziergang durch verschiedene Epochen und Baustile, gekrönt von den wunderbaren Hallenhäusern und dem Jugendstil-Warenhaus, das derzeit renoviert und bald in alter Pracht strahlen wird. Schön, putzig, prächtig, voller Geschichte und Geschichten.

Niki am Strand

Aufgeschnappt

Wenn einer mit Schraubenhandel einen Jahresumsatz von annähernd 10 Milliarden Euro macht und weltweit 65 000 Mitarbeiter am Start hat, dann ist das wohl eine „Bilderbuchkarriere“. Nun könnte man annehmen, dass ein solch erfolgreicher Unternehmer, zumal wenn es sich um einen Schwaben handelt, seine Taler hortet wie Onkel Dagobert. Pustekuchen: Reinhold Würth, der Schraubenmilliardär aus Künzelsau, macht jährlich etliche Millionen für Kunst locker. Auf rund 16 000 Stück wird seine Privatsammlung geschätzt. Und das Beste: er bewundert sie nicht alleine in seinem hübschen Schlösschen im Hohenlohischen, sondern zeigt viele der sensationellen Kunstwerke gerne der Öffentlichkeit. In Museen, die er gebaut und finanziert hat – und für deren Besuch in der Regel kein Cent Eintritt bezahlt werden muss.

Für Holbeins „Schutzmantelmadonna“ hat Würth neulich mal schnell um die 40 Millionen Euro bezahlt. Jetzt ist das Meisterwerk in der Johanniterkirche in Schwäbisch Hall zu bewundern. Insgesamt 15 Museen in ganz Europa hat der kunstsinnige Würth bauen lassen und mit hochkaratigen Werken aus seiner Privatsammlung bestückt. Letzter Streich: das Forum Würth, direkt am Bodensee in Rorschach. Beste Lage – tolle Sicht auf das gegenüberliegende deutsche Bodenseeufer. Im neuen Museum gibts jede Menge eidgenössische Kunst zu sehen, vor allem Bill, Itten und den Bündner Segantini. Daneben einige internationale Klassiker wie Liebermann, Munch, Picasso, Beckmann, Baselitz und Kiefer. Und sozusagen als kostenlose Dreingabe im schönen Uferpark drei wundervolle Skulpturen von Niki de Saint Phalle. „Jardin extraordinaire“ nennt sich das bescheiden. Wie wahr !

Musik zu Dreikönig

Aufgeschnappt, Fernweh

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Dreikönig ist in Baden-Württemberg bekanntlich Feiertag. Eine gute Gelegenheit, den alten Plattenspieler wieder in Betrieb zu nehmen und die Kisten mit den Uralt-Schallplatten auszumisten. Herrlich, was für Fundstücke! Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, dass ich mal ein großer Fan von Kris Kristofferson war. Und dann:It`s a beautiful day (Großartig: White bird), Lustig: Werner Lämmerhirt (Hahaha – Singen konnte der nie, aber sowas von Gitarre spielen), Danzer und Ambros aus ihren wilden Zeiten und die unvergessenen Dylan-Interpretationen. Guck mal da: Vanilla Fudge (sehr psycho…). Großes Orchester :Mike Batt. Natürlich: Nektar und die frühen Genesis. Unerreicht: Colosseum und die Valentyne Suite. Abschluss fur heute: Atom haert mother – immer noch bombastisch-grandios.

Ich stöbere weiter und halte Euch auf dem Laufenden.

Gottbehütet

Aufgeschnappt

IMG_0700Baden-Baden: Kurtstädtle im Weltformat für die einen, Rentnerparadies für die anderen. Oder neuerdings: die Kleinstadt, mit dem höchsten Anteil an russischen Millionären außerhalb Russlands. Jede zweite Villa, die in der Stadt an der Oos verkauft wird, hat danach ein kyrillisches Namensschild.
Baden – Baden:Zockerhochburg, Festspielstadt und Festivalstadt. Jetzt im September wird wieder das New Pop-Festival von SWR 3 das Durchschnittsalter Baden-Badens deutlich absenken. Und am Rande: Abtei Lichtenthal. Ein wirklich schöner Platz zum Ausspannen und Entschleunigen. In der Zisterzienserinnen-Abtei sitzt man lauschig im Café im Innenhof, das Bächlein plätschert vorbei – und es ist ruhig. Sehr ruhig. Wer will,kann sich im Gästehaus einquartieren, das Doppelzimmer mit Dusche auf dem Gang für 50 Euro. Der Blick auf den Merkur, den Hausberg der Stadt, ist natürlich gratis.
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Robert Häusser

Aufgeschnappt

robert_haeusser2 „Photographische Bilder“, eine Werkschau von 1941 – 1987, war der erste teure Bildband, den ich mir geleistet habe. Das ist genau 25 Jahre her. Seitdem hat mich Robert Häusser, der in Stuttgart geborene Meister der Schwarzweiss-Fotografie, begleitet. Heute ist er gestorben. Tröstlich, dass sein Nachlass von über 60 000 Negativen in guten Händen ist: im Reiss-Engehorn-Museum in Mannheim.

Auf der Strecke

Aufgeschnappt

Grenzüberschreitende Ermittlungen scheinen in der Krimiszene en vogue zu sein. Hat ja bei Micky Spijker und Robert Patati auch ganz prächtig funktioniert bisher. Diese Krimis von Hoeps/Toes sind untadelig gut, amüsant, spannend und schlüssig. Andere Autoren tun sich damit ungleich schwerer. Ich habe mich in den letzten Wochen durch solch ein Werk regelrecht gequält, durch einen hochgelobter Erstling, ebenfalls von einem Autorenduo. „Auf der Strecke“ von Claus-Ulrich Bielefeld/ Petra Hartlieb soll angeblich ein richtiger Kracher sein, sogar die geschätze Krimi-Couch hat dem Buch aus dem diogenes-Verlag immerhin 80 % verliehen.

Schaulaufen

Aufgeschnappt

Jedes Jahr Ende Juli wird es leicht hektisch an den gestaltenden Hochschulen der Republik. Die Werkschau naht, inzwischen nennt man sie fast bundesweit den „Rundgang“. Junge krative Köpfe, Fotografen, Maler, Bildhauer, Kommunikationsdesigner, Modeschöpfer und Architekten zeigen, was sie im vergangenen Semester fabriziert haben. Den Alten mal zeigen, was die Jungen drauf haben, alte Zöpfe abschneiden, mutige Experimente wagen, Dinge einfach ausprobieren. Das ergibt ein Sammelsurium an teilweise ungewollt komischen Exponaten, sehr häufig aber ist zu spüren, mit welchem Elan und mit welchem Enthusiasmus die jungen Wilden ans Werk gegangen sind.

Blöd ist dabei nur, dass die Werkschauen allesamt an einem Wochenende stattfinden. Wer sich also in der Szene umschauen will, braucht einen eng getakteten Terminkalender. Und wer, wie ich, gleich zwei Sprößlinge hat, die einen kreativen Beruf erlernen und dann ausüben wollen, der sollte sich gut überlegen, wo er anfängt und aufhört, zumal wenn zwischen den Werkschauen der Sohnemänner 640 Kilometer liegen.

Los gehts. Freitagmittag, Werkschau an der Staatlichen Akademie der Künste in Stuttgart, direkt neben der Weißenhof-Siedlung auf dem Killesberg gelegen. Sohnemann 1 präsentiert mit seinen „Mitschülern“ (an Kunstakademien redet man immer noch von Klassen) die Ergebnisse der Themenarbeit „Ich liebe dich“. Ein spannend-plüschiger Raum mit überdimensionierten Mündern und Lippen, Jane Birkin stöhnt „Je t`taime“, und in der Mitte liegt auf einem kleinen Altärchen das gedruckte Werk der Semesterarbeit. 38 Euro für ein Exemplar der limitierten Auflage. Ziemlich schnell ausverkauft, immerhin kommen viele stolze Eltern und neugierige Freunde zur Werkschau.

Zweite Station am Folgetag. Berlin, Hochschule für Technik und Wirtschaft im ehemaligen Osten der Stadt, in Oberschöneweide. Der Kiez drumrum ist nicht grade die feinste Adresse, die Straßenbahn rumpelt am Bürgerbüro von Gregor Gysi vorbei – in einen Stadtteil, in dem die Rechten gut Anhang haben. Das Gebäude der htw, untergebracht im ehemaligen Kabelwerk KWO,
ist eine echte Wucht. Klinkerbauten mit raumhohen Sprossenfenstern, tolle Treppenhäuser, viel Platz, viel Luft und die allerneueste Technik, als Dreingabe ein kleiner Strand am Spreeufer. Toll, schlichtweg beeindruckend! Im dritten Stock residieren die Kommunikationsdesigner, sie zeigen Bücher, Drucke, Kampagnen und witzige Aktionen. Blickfang auf dem Stockwerk ist das Kunstwerk „Die Verführung des Lichts“ von Jan van Imschot, Pseudonym für einen unbekannten Nachwuchskünstler, der unter den Fittichen des Galeristen Karl Pfefferle steht. Eine allegorische Arbeit aus Bahnschwellen, Käfigdraht und bunten Folien. Abends – das ist allen Rundgängen gemein – feiern Studenten und Gäste eine deftige Party.

Und weil das immer noch nicht reicht: am nächsten Tag gehts an die UDK. Die Werkschau an der größen europäischen Kreativhochschule hat einen legendären, aber auch leicht elitären Ruf. So ist es dann. Die Berliner Szene ist ziemlich unter sich – und bleibt es auch. Immerhin: die Saitenwürstchen, die im lauschigen Garten gereicht werden, sind erste Sahne – auch mit Senf.