Schmuckkästchen

Fernweh

Parasio, die historische Altstadt von Porto Maurizio oberhalb der Basilika, hat schwere Jahre hinter sich. Das Gasengewirr mit den eigentlich schönen und lauschigen Plätzen war ziemlich in die Jahre gekommen: bröckelnde Fassaden, die Pflastersteine aufgeplatzt, in den Häusern wollte kaum noch jemand wirklich wohnen. In den letzten Jahren haben Stadt und Region einiges an Geld in die Hand genommen, um die Hügel-Altstadt wieder zu ertüchtigen. Herausgekommen ist ein wirklich schönes Quartier, das jetzt „nur“ noch mit dem typisch südländischen Leben auf der Straße erfüllt werden muß. Zwischen Santa Chiara, Palazzo Lavagno und Via Zara ist genügend Platz dafür, es fehlen noch Cafés und Restaurants wie die Osteria dell´ Olio grosso, die seit Jahren mit einer guten Fischkarte viele Stammgäste auf den Hügel lockt. Wer sich übrigens die Parkplatzsuche oder den Aufstieg sparen will, der nimmt den Fahrstuhl, der in zwei Etappen vom Hafen von Null auf 50 Meter führt.

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Labyrinth am Berg

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Mit dem Ruf, eine sterbende Stadt zu sein, lässt sich gut leben. Apricale zumindest hat sich in dieser Nische prächtig eingerichtet und erfreut sich eines steten Zustroms von Besuchern. Andere kleine Adlernester im ligurischen Hinterland darben und bröckeln vor sich hin, Apricale hat rechtzeitig die Kurve gekratzt. Gekratzt im Wortsinn – an vielen Häuserwänden in der pittoresken Altstadt gibt es neben naiv wirkenden Gemälden auch so genannte Sgrafitti, also Kratzputzbilder, die sich in Italien schon in der Renaissance großer Beliebtheit erfreuten. Jetzt erfreuen sich die Besucher Apricales an den ländlich-derben Szenen des ligurischen Bauernlebens – und an der Speisekarte bei Delio, dem mehrfach ausgezeichneten Restaurant am Eingang zum Gassen- und Häuserlabyrinth.

Porte liguri

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Ceriana im ligurischen Hinterland ist einen Abstecher wert. Von der Küste aus geht es abenteuerlich steil hinauf, erst durch Olivenhaine, dann durch üppige Kiefer- und Kastanienwälder, auf etwa 500 Meter Seehöhe. Eine typisch ligurische Berggemeinde, regelrecht am Steilhang geklebt. Tief unten im Tal liegt die Kirche Oratorio di Santa Caterina aus dem 14.Jahrhundert, die derzeit renoviert wird, oben auf dem Hügel schlendert der Besucher durch grotesk steile Gassen, erfreut sich an kleinen Plätzen – und den vielen unterschiedlichen Türen. Unterschiedlich in Farbe,Form und Alter. Eine unterhaltsame Fotosafari.
Professionell war die iatalienische Fotografin Marisa Fogliarini in Ceriana unterwegs. Sie hat bei den Dreharbeiten zu einer Dokumentation wirklich spektakuläre Fotos der Gemeinde geschossen.

XXmiglia

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Ventimiglia – Grenzstadt, hässliches Entlein im Schatten des mondänen Menton auf der französischen Seite, mafiaverseuchtes Terrain, Marktstadt. Eine quirlige italienische Gemeinde, die immer freitags von kaufwütigen Franzosen und Urlaubern überschwemmt wird. Während sich in der Unterstadt auch sonst Auto an Auto auf der mautfreien Via Aurelia Richtung Frankreich und wieder zurück schiebt, ist die Oberstadt von Ventimiglia meist wie ausgestorben. Die Häuser kleben schwindelerregend auf der Felsnase, in den engen Gassen riecht es nach Feuchtigkeit und Moder. Die sehenswerte Altstadt mit der sehenswerten Kathedrale Santa Maria Assunta ist (zu) lange vernachlässigt worden. Erst jetzt werden die schönen Plätze und Aussichtspunkte aufs Meer und auf das Roia-Tal langsam in Schuss gebracht. Hoffentlich sind die Zeiten bald vorbei, in denen Ventimiglia auch N`timiglia genannt werden musste.

Wenn es Nacht wird

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Pigna, NachtPigna, Nacht
Leergefegt – die Pigna in Sanremo. Als ob die Zeit angehalten ist. Nachts ist ein Bummel durch die Altstadt von Sanremo ein echtes Abenteuer. Augenfutter an jeder Ecke, leicht gruselig, wenn plötzlich eine vermummte Gestalt durch die Gassen schleicht, vermummt wegen der Kälte, die derzeit auch an der ligurischen Küste bei Nacht herrscht.

Das Nest der Spinnen

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Viele, die nach San Remo oder Sanremo kommen, kennen nur die Sonnenseite, das Dreieck zwischen dem alten Hafen, der Spielbank und dem Theater Ariston am Ende der prachtvollen Fußgängerzone Corso Matteotti. Dort lässt es sich auch prima schlendern und shoppen oder zur Not zocken. Nur zwei Straßenzünge weiter liegt eine der spektakulärsten Altstädte Italiens: La Pigna (Der Tannenzapfen). Der älteste Stadteil Sanremos ist ein Labyrinth an Gassen, Treppen, Plätzen, Torbögen, Wäscheleinen und Pflastersteinen. Rein kommt man nur zu Fuß, das erklärt, dass Busladungen voller Urlauber, die in fünf Tagen die Schönheiten der Blumenriviera durchpflügen, meistens draußen bleiben.

Hui und Pfui

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Ein schönes mittelalterliches Städtchen im Hinterland der Küste, eine geschlossene Altstadt, zehn Geschlechtertürme wie im toskanischen San Gimignano, nette Cafés, eine schöne Promenade unter alten Bäumen am Centa-Fluss, eine Open-Air-Kunstgalerie im Gassengewirr, sogar einen Mini-Flughafen gibt es in Albenga. St. Michael ist der Schutzpatron der Stadt, die mal Bischofssitz war, entsprechend eine prächtige Kathedrale hat und in deren Schatten das schlicht-kraftvolle Baptisterium aus dem fünften Jahrhundert liegt.

Soviel zur Schokoladenseite dieser Schönheit. Wie die meisten Städte
an der ligurischen Küste durchschneidet eine Bahnlinie brutal die Stadt. Hui und Pfui liegen dicht nebeneinander. Wer drunter durchgeht Richtung Meer, kommt (wie fast überall an der Küste) in eine seelenlose Neustadt mit Allerweltsbauten und dem üblichen und geschmacklosen Kinderkarrussel am Meer. Einzig der wunderbare Blick auf die vorgelagerte Insel Gallinara und die Kitesurfer, die durch die weite Bucht fegen, entschädigen für dieses städtebauliche Niemandsland. Also lieber subito zurück ins „centro storico“.

La città vecchia

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In den Stadtvierteln
wo die Sonne nicht hinscheint
weil sie zuviel zu tun hat
um andere Leute zu wärmen
singt ein junges Mädchen das alte Lied der Dirnen:
„Was du nicht kennst,
wirst du nur in meinen Armen erleben“.

Was ihr in ihrem Alter noch an Fertigkeiten fehlt
wird sie bald wettmachen, durch Erfahrung…

Spaziergang in der Alfama

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Vom ältesten Stadtteil Lissabons, Barrio de Alfama, bekommen viele Urlauber meistens nur flüchtige oder ziemlich teure Eindrücke. Flüchtige bei der Fahrt in der völlig überfüllten Straßenbahn 28 quer durch das Viertel, teure beim Fado-Abend in ziemlich unverschämten Nepp-Lokalen. Dabei ist das Viertel zwischen Kathedrale und Bahnhof Santa Apolónia, zwischen dem Kastell und den ehemaligen Docks Jardim do Tobaco in manchen Ecken noch ursprünglich, voller Alltagsleben auf den Plätzen, den Treppen, den Straßen mit winzigkleinen Lebensmittelgeschäften und vielen Kneipen. Hier gibts gegrillten Fisch von groben Tischen mit karierten Wachstischtüchern. Die Alfama will erwandert werden. Dann sieht man auch schnell, das hinter den pittoresken Fassaden teilweise unglaublich ärmliche Wohnungen liegen. Die Alfama ist aber wieder in in Lissabon. Je höher man zum Kastell steigt, desto edler und teurer werden die luxussanierten Häuser. Es ist eine Frage der Zeit, bis die Bewohner der Alfama irgendwo draußen in den Trabantenstädten landen – und unglücklich werden. Ob Fado im 16. Stockwerk noch gut klingt … ?