Sagenhaft

In Zeiten,in denen schon jedes kleine Kind die Dialoge aus „Der Herr der Ringe“ nachbeten kann, sollte man auch mal vor der eigenen Haustüre nachschauen. Hand aufs Herz: wer kennt noch den „Rulaman“ oder die spannende Geschichte der Fürstin Amalie Zephyrine? Wem sagt „Die schöne Lau“ noch etwas, wer erinnert sich an die unglaubliche Geschichte des „Löwenmenschen“ von der Schwäbischen Alb?

Diese und noch viel mehr Sagen, Mythen und Legenden erzählt ab Freitag, 2. September, das SWR Fernsehen, immer freitags ab 21:00 Uhr. In der ersten Folge übernimmt der knorrige Theatermann Uwe Zellmer die Rolle des Geschichtensammlers.

Ich hatte die Redaktion dieser vierteiligen Reihe. Es war eine ungeheure Arbeit, aber auch ein großes Vergnügen – aufwendigste Technik, an die 200 Komparsen, 50 Drehtage mit großem Besteck und eine unglaubliche Tüfftel-Arbeit an drei Schnittplätzen gleichzeitig. Danke an die Produktionsfirma AV-Medien in Stuttgart, die sich mit Bravour geschlagen hat, Danke auch an den SWR, der mir mit dieser Reihe einen langgehegten Wunsch erfüllt hat.

Wer schon mal spickeln will: hier der Link zur Homepage – die ab Donnerstag mit einem neuen Feature namens Klynt an den Start geht. Wir sind alle sehr gespannt auf die Reaktion des Publikums.

Advertisements

Blind date

Und wieder mal eine spektakuläre Kunstaktion an der AKA in Stuttgart:“105 x 150″. Das entspricht der Normgröße einer Postkarte. Die Klasse von Professor Patrick Thomas hat weltweit 2 000 Blanko-Postkarten verschickt, an renommierte Künstler ebenso wie an aufstrebende Talente oder Grafik-Studenten. Über 800 kamen zurück und werden ab heute verkauft – das Stück für 25 Euro. Der Reinerlös kommt den „Ärzten ohne Grenzen“ für ihre Arbeit mit Flüchtlingen zugute.
Das Spannende an der Aktion:die Absender waren verdeckt, man konnte sich also nicht an den großen Namen orientieren, sondern mußte einfach seinem guten Geschmack vertrauen.Ob es sich beim erworbenen Unikat also um einen echten Troxler oder das Werk eines NoNames handelt, stellt sich erst heraus, wenn man gekauft und bezahlt hat. Eine tolle Geschichte – zur Nachahmung dringend empfohlen.

Terra Brigaska

Von den vielen kleinen Volksstämmen in den vielen kleinen Alpentäler kennt man sie wahrscheinlich am wenigsten: die Brigasker, ein Hirtenvolk, das rund um den Monte Sacarello sowohl auf italienischer wie auch auf französischer Seite lebt und siedelt. Ihre Blütezeit hatten die Brigasker im 19. Jahrhundert, als sie mit den Ziegen und Schafen jedes Jahr im Bergwinter an die ligurische Küste und dann weiter Richtung Marseille zogen, dabei Fleisch und Wolle verkauften. Später ging es wieder zurück in die Bergdörfer. „Inverse Transhumanz“ nennt der Alpenexperte Werner Bätzing in seinem „Kleinen Alpenlexikon“ diese Form der saisonalen Emmigration. Das Wandertum der männlichen Dorfbewohner erschloß nicht nur neue Einkommensquellen, sondern schonte auch die kargen Wintervorräte für jene, die im Dorf blieben. Mit dem in der Fremde verdienten Geld konnten die Häuser und Ställe gehalten werden. Im 20. Jahrhundert war es damit vorbei, die Küstenlinie zersiedelt und die Wanderschäfer nicht mehr willkommen.

Realdo, das vorletzte Dort im Valle Argentina, war dabei auf ligurischer Seite die Hochburg der Brigasker, auf französischer Seite ist es La Brigue, italienisch: Briga Marittima. Diese Gemeinde hat bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu Italien gehört. Die Sprache der Brigasker, eine Abwandlung des Ligurischen mit noch mehr Umlauten, gilt als eine der sterbenden Sprachen in Europa und wird von einem Kulturverein und den wenigen Brigaskern gepflegt. In Realdo sind die Hinweisschilder in dieser Sprache gehalten, die wenigen Nachfahren der Hirten, zumeist ältere Damen und Herren, sprechen dieses lustige Kauderwelsch im Dorf und auf der Straße.

Das Dorf, spektakulär gelegen auf einer 200 Meter steil abfallenden Felswand über dem Argentino, füllt sich aber wieder mit Leben. Menschen ziehen hier hin oder wieder zurück in dieses verwinkelte Dorf mit seinen typischen Holz-Veranden. Die typischen Berghäuser werden restauriert, ein kleines Museum informiert über die Geschichte der Brigasker. Der Erhalt der ausgestorbenen Hirtenkultur ist allen ein echtes Anliegen – auch ohne Ziegen und Schafe.

Geschafft

IMG_0499

SO sieht das also aus, wenn 396 Einzelplakate ein großes Ganzes ergeben. Die Studenten der Klasse von Patrick Thomas an der Stuttgarter AKA haben damit mutmaßlich einen neuen Druck-Weltrekord geschafft. Auf einen Eintrag ins Guiness-Buch haben die Grafik-Studenten bewußt verzichtet – die Gebühren wären höher gewesen als die Gesamtkosten des Print-Marathons. Das Gutenberg „A“, also der erste Buchstabe der modernen Druckkunst, war nur ein flüchtiges Kunstwerk: die Einzelplakate wurden und werden noch verkauft, natürlich mit Zertifikat.

Grenzenlos

SWR und BR eine Woche lang gemeinsam unterwegs an der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern. Eine tolle TV-Aktion, die von dreieinhalb Millionen Zuschauern verfolgt wurde. Und ein wahnsinnig tolles Team, zusammengewürfelt aus Stuttgart, München und Baden-Baden. So macht Fernsehen Spaß – den Zuschauern und den Machern.

Rekordverdächtig

Eine renommierte Hochschule, ein britischer Professor und (s)eine Klasse. Kommunikationsdesign an der Staatlichen Hochschule der Künste Stuttgart bei Patrick Thomas. Eine Aufgabe, die möglicherweise in einen Weltrekord mündet. 39 Grad Lufttemperatur und garantiert wasserbasierte Siebruck- Farben aus Belgien, umwelt- und gesundheitsfreundlich, abwaschbar.

Von Samstag 12 Uhr bis Sonntag 12 Uhr entstehen 396 Drucke, 60 x 90 cm. Gesamtfläche 213,84 Quadratmeter. Fast jeder Einzeldruck ein Unikat, zusammengepuzzelt ergeben sie ein großes Ganzes. Nur: die Enthüllung des Gesamtkunstwerks ist zunächst mal verschoben. Aufkommender Wind verhindert die Auslegung auf dem Campus der AKA. Das wird dieser Tage in einer Turnhalle nachgeholt. Denn von oben bietet sich dann der Blick auf … etwas, was die Druckwelt revolutionierte.

Mehr wird nicht verraten. Nur soviel: wer die wackeren Studenten unterstützen will, kann zum Preis von 15 Euro eines der 396 Plakate erwerben. Spenden werden gerne angenommen, versteht sich…unter printmarathon@gmail.com

Grenzerfahrung

Recherchereise im Grenzgebiet. Links Baden-Württemberg – rechts der Freistaat Bayern. Was trennt die Menschen hier, was verbindet sie ? Im Sommer werden SWR und BR gemeinsam eine Woche lang unterwegs sein. Auch das wird eine spannende Grenzerfahrung. Wie ticken die Kollegen aus München, warum machen wir Stuttgarter vieles ganz anders, schaffen wir es gemeinsam, jeden Tag 40 Minuten live spannende Geschichten zu erzählen ?

Schnee-Ersatz

rotenberg

Normalerweise pfeift zu dieser Jahreszeit ein eiskalter Wind über das „Schmidener Feld“, die Obst- und Getreidekammer, die den Übergang zwischen dem Stuttgarter Kessel und dem Remstal bildet. Normalerweise liegt auch eine dünne Schneedecke über den Getreidestoppelfeldern und unter den Füßen knirscht das Eis. Immerhin: auch bei lauen 15 Grad bietet die Kapelle auf dem Rotenberg die gewohnt edle Kulisse für einen Spaziergang.

Genova, la Superba

Genua, la Superba, hat eine neue, kleine und feine Sehenswürdigkeit. Im Schatten der Palazzi der superreichen Familien, fußläufig entfernt von Renzo Pianos Altem Hafen, mitten im Gassengewirr, den Caruggi, liegt eine Pilgerstätte für die Verehrer der Genueser cantautori. In der Via del campo rosso hat ein kleines Museum zu Ehren von Fabrizio de André eröffnet, dem Sänger und Liedermacher, der aus Genua stammt und in seinen Liedern das Leben der kleinen Leute, der Menschen am Rande der Gesellschaft, ein Denkmal gesetzt hat.

Geschafft !

exH groß

Nein, das ist noch nicht der angekündigte Krimi aus Ligurien. Der wird noch etwas auf sich warten lassen, die Recherche in italienischen Archiven ist doch ziemlich anstrengend und aufwendig. Sozusagen als Fingerübung ist ein Begleitbuch zu der Fernsehreihe entstanden, die ich seit zwei Jahren zu verantworten habe. Viele schöne Bilder und immerhin über 200 000 Zeichen, 192 Seiten stark, ein ungewöhnliches Format von 24,5 x 26,5. Es liegt gut in der Hand, wiegt 1 100 Gramm – und es liest sich gut, wenn ich meinem Gefühl und den bisher zwei Rezensionen bei amazon vertrauen darf. Der Verkaufstart war für den kleinen Belser-Verlag ziemlich fulminant. Jetzt muß man mal abwarten, wie viele Freunde regionaler Entdeckungsreisen es gibt. Immerhin liegt die Startauflage bei 6 000 Stück. Ich bin geschafft – und gespannt!