Newton vs. Nektar

Gestern war ich mal wieder bei Zweitausendeins. Ich geh gelegentlich in die Resterampe für hochwertige CDs, Romane und vor allem Fotobücher. An Newtons Fotoklassiker SUMO schleiche ich jedesmal vorbei, kriege schon Kreuzweh beim Gedanken, dieses Teil im Rucksack heimzuschleppen.

Also lieber, aus Gewichtsgründen, CDs. Mein Gott, waren wir mal jung und freakig und anders und überhaupt. Drei Stück hab ich mir mitgenommen, heute Nacht angehört. Man muß schon total übermüdet sein, um dem Gefühl von damals irgendwie nahe zu kommen. Als wir beim Kumpel in seinem Dachzimmer Musik hörten, die Tüte kreiste – und wir etwas machten, was man später Headbanging nannte.

Mit Amon Düül II, der Ouvertüre des Krautrock, tue ich mich heutzutage etwas schwer – selbst wenn mal Uschi Obermaier in dieser Combo das Tambourin bediente. Das, was damals als Aufbegehen gegen das Pop- und Schlagerstablishment und als Psychedelicrock gefeiert wurde, geht heute schwer verdaulich und leicht wirr ins Ohr. Unbestritten bleibt aber, dass Amon Düül den Weg für die andere Musik in den späten 60ern bereitet und dafür in England höchste Meriten erlangt hat.

Nektar liefert auch heute noch gut hörbaren Bombast -Rock mit rasanten Tempowechseln, mehrstimmigem Gesang und Songs in verträglichen Überlängen. Die Band geht noch auf Tour. Besonders erinnerlich ist Nektar auch als Gruppe, die erstmals eigene Lightshows in die Konzerte brachte. In der Mensa in Tübingen waren wir total begeistert von diesem Spektakel – produziert durch mehrere altertümliche Diaprojektoren mit Fließbildern. Das war eine Wucht, so wie der Sound der Band, die aus Engländern bestand, die irgendwo auf dem Lande in Hessen (warum auch immer) lebten.

Kraan ist immer noch auf deutschen Bühnen unterwegs. Ich hab sie erst neulich in Stuttgart im Gustav Siegle – Haus gesehen (dort ist vor vielen Jahren eine Band namens AC/DC vor 800 Fans aufgetreten), die Wolbrandt-Brüder und Helmut Hattler nach wie vor in allerbester Spiellaune. Hattler ist und war auch in anderen Combos aktiv, unter anderem mit dem fabulösen Joo Kraus in Tab Two.

Und nächstes Mal bei Zweitausendeins ? Vielleicht doch Newton, seine Fotos sind wirklich zeitlos. Aber nur, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin.

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2 Gedanken zu “Newton vs. Nektar

  1. Amon Düül – jetzt wo du’s sagst/schreibst fällt doch mir glatt ein, dass ich sie in den späten 60ern mal bei einem Live-Auftritt in Bonn gesehen/gehört habe. Huet wäre ich wohl auch eher für den Fotoband von Newton zu haben 🙂

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