Stunde der Wahrheit

Bemerkenswertes, Stuttgart

Premiere

Morgen Abend ist es soweit: das 90-Minuten Dokudrama „Das Jahr ohne Sommer – wie das Cannstatter Volksfest entstand“ ist endlich im Fernsehen zu sehen (20:15 Uhr im SWR Fernsehen). Diese Woche am Mittwoch war Premiere – im renommierten Metropol-Theater in der Stuttgarter Innenstadt. 600 Premieren-Gäste aus Politik, Wirtschaft und aus der Medienlandschaft, dazu viele Statisten und Unterstützer des Projekts, roter Teppich, ein „Königspaar“ in historischen Kostümen. Viel Augenfutter also – und für viele Zuschauer ein Film mit jeder Menge AHA-Erlebnissen. Die grüne Landtagspräsidentin Muhtarem Aras postete hinterher auf Instagram:“Unbedingt sehen!“. Dankeschön.

Ich bin mächtig gespannt, wie das Fernsehpublikum auf die durchaus harte Kost reagiert: Vulkanausbruch, Wetterkatastrophe, Hungersnot und Auswanderung. Und dann – als „Zeichen der Hoffnung“ – das erste Cannstatter Volksfest.Beeindruckende Bilder, tolle Hauptdarsteller und fast 200 großartige Komparsen.

Danke allen, die an diesem Film mitgewirkt haben. HIER ein kleiner Vorgeschmack – das „making of…“

Und hier ist der komplette Film zu sehen.
https://swrmediathek.de/player.htm?show=22cffb02-bda1-11e8-b070-005056a12b4c

Das Jahr ohne Sommer

Bemerkenswertes

Eigentlich verdiene ich meine Brötchen mit ganz anderen TV-Formaten: Reisereportagen und Dokumentationen sind mein Metier. Aber jetzt hat mich schon wieder ein historischer Stoff gepackt. Nach dem 5-Teiler „Sagenhafter Südwesten“ geht es in diesem Jahr um eine unglaublich dramatische Etappe der württembergischen Geschichte. Im September 2018 wird das Cannstatter Volksfest – neben dem Oktoberfest in München das zweitgrösste Volksfest der Welt – 200 Jahre alt. Wie es zum Fest überhaupt gekommen ist, das wissen nicht mehr viele. Schon gar nicht die vielen hunderttausend Kids, die sich auf dem Wasen in Dirndl und Lederhosen allherbstlich die Kanne geben und Party feiern.

Gehen wir also mal 200 Jahre zurück – genauer: 203 Jahre. Im April 1815 fliegt in Indonesien der Vulkan Tambora in die Luft. Ein Jahr später erlebt Mitteleuropa das „Jahr ohne Sommer“. Während in Wien der Kongress tanzt, krepieren die gebeutelten Bauern in Württemberg. Es regnet und schneit einen Sommer lang – Weltuntergangsstimmung. Als der „dicke Friedrich“ stirbt (ausgerechnet an einer Lungenentzündung, verursacht durch die Wetterkatastrophe), beginnt die Regentschaft von Wilhelm I und seiner russischen Frau Katharina, einer Zarentochter. Als „Zeichen der Hoffnung“ stiftet Wilhelm das landwirtschaftliche Fest zu Cannstatt. Es soll nicht die einzige fortschrittliche Tat des Paares werden: Suppenküchen, Mädchenschulen, Sparkassen, Hospitäler und die Gründung der Universität Hohenheim werden folgen.

Die Geschichts-Doku ist also eine Zeitreise ins frühe 19. Jahrhundert, macht aber immer wieder auch Sprünge in die Jetztzeit. Wie ist die Situation der Bauern heute? Wie sieht Carl Herzog von Württemberg die Rolle seiner Vorfahren? Wie hat sich das Cannstatter Volksfest bis heute verändert?

Das Drehbuch hat fast 300 Positionen, die ersten Drehs sind abgeschlossen, die Massenszenen werden noch folgen. Und dann geht es monatelang in den Schnitt. Am 19. September muss der Film fertig sein, dann ist große Premiere im Stuttgarter „Metropol“.

Es werden also spannende Monate kommen…

 

 

Achtung ! Tieffliegende Dirndl

Heute in der Stadt
Dirndl ?  TRACHTEN !

Dirndl ? TRACHTEN !

Ich hab keine Ahnung, woher das kommt. Aber mir wird  ein libidinöses Verhältnis zu Dirndl nachgesagt. Kann ich mir irgendwie nicht erklären. Kann eigentlich auch gar nicht sein – denn was ich zur Zeit über mich ergehen lassen muss, ist Dirndl-Terror. Eine brutale Reizüberflutung an Miedern,Schürzen, Puffärmeln, Schleifchen und Rüschen.

Ich hab mir das nicht wirklich ausgesucht. Aber ich wohne nun mal zufällig an einer der Straßen, die direkt zum Cannstatter Wasen führt.Vor einem Jahrzent noch gabs solche Sachen nur einmal im Jahr zu sehen: beim Festzug zum Volksfest. Aber: das waren echte Trachten aus den Regionen des Landes, Jahrhunderte alt, die gesellschaftlichen und familiären Stand symbolisierten.

Heute quetscht sich jedes zweite Mädel und jede zweite Frau gnadenlos in ein Dirndl. Größe, Figur, Oberweite, Speckröllchen, Hüftumfang, Beinlänge – pupsegal, Hauptsache Dirndl! Schrecklich, kann ich euch sagen, meistens zumindest. Selten, dass ich mich nach einer Frau umdrehe. Und wenn, dann hätte ich das auch ohne Dirndl (ich meine, mit anderen Klamotten auch !) getan.

Der ästhetische Niedergang hat seinen Anfang in München genommen, von dort (und mit einem Gastronom, der ein großes Festzelt in Cannstatt übernommen hat) ist diese Schicki-Micki-Mode an den Neckar geschwappt. Der Festwirt hat allen Besuchern Eintritt in sein Zelt garantiert, die Dirndl tragen. Das hat er und das hab ich jetzt davon.

In Stuttgart gibt es mittlerweile 3 (!) Fachgeschäfte für Dirndl sowie einige Designer und Schneider, die Dirndl-Mode herstellen und verkaufen – in allerbester Citylage. Angeblich sollen Damen der Münchner Hautevolee zum Dirndl-Shopping nach Stuttgart reisen. Gottlob sind mir die Damen Ex- Effenberg, Ex-Kahn und Ex-Wasweißich noch nicht über den Weg gelaufen.

Ein Tag noch, dann hab ich es geschafft für dieses Jahr. Dann geh ich in Urlaub – und wenn ich zurückkomme, ist das Volksfest rum und damit auch die Dirndlei und der Overkill an Landhausmode.

Aber, wer jetzt immer noch Lust auf ein Dirndl hat, bitteschön, der Dirndl Psychotest. Und über die Männer, die in ihren Lederhosen aussehen wie Bratwürste im Naturdarm, sollen sich lieber mal die Frauen auslassen.