In the midnight hour

Fernweh


Wenn die Zeit gekommen ist, die professionellenFado-Shows in der Nähe der Kathedrale Sé vorbei sind und sich die Nachtschwärmer und Partygänger hoch nach Bairro Alto verzogen haben,wird es ruhiger in der Alfama, dem ältesten Stadtteil von Lissabon. Manche Ecken wirken wie im Krimi, die Straßenlampen werfen einen mysteriösen Schimmer auf die Pflastersteine der engen Gassen und Sträßchen, die wie ein Spinnenetz die Kirchen Sao Miguel und Santo Estévao miteinander verbinden. Dann ist es auch etwas lässiger in den einfachen Kneipen und Restaurants. Man kann sich zum Beispiel noch am Bar-Gebrabbel in der Parreirinha Sao Vicente satthören oder vor dem Restaurant Mongadinha de Amalfa nach einem köstlichen Fischspieß eine Bica und eine selbstgemachte Schokoladentorte einverleiben. Die patente Wirtin hat großen Spaß an Gästen, die ihre Küchenkunst zu schätzen wissen, und kommt garantiert dreimal vorbei, um zu fragen, ab alles zum besten sei – und um noch ein wenig an den Tischen zu plaudern. Es ist so, wie es halt (überall) sein sollte. Und der Heimweg ist sowieso ein kleines Abenteuer für sich.

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Spaziergang in der Alfama

Fernweh

Vom ältesten Stadtteil Lissabons, Barrio de Alfama, bekommen viele Urlauber meistens nur flüchtige oder ziemlich teure Eindrücke. Flüchtige bei der Fahrt in der völlig überfüllten Straßenbahn 28 quer durch das Viertel, teure beim Fado-Abend in ziemlich unverschämten Nepp-Lokalen. Dabei ist das Viertel zwischen Kathedrale und Bahnhof Santa Apolónia, zwischen dem Kastell und den ehemaligen Docks Jardim do Tobaco in manchen Ecken noch ursprünglich, voller Alltagsleben auf den Plätzen, den Treppen, den Straßen mit winzigkleinen Lebensmittelgeschäften und vielen Kneipen. Hier gibts gegrillten Fisch von groben Tischen mit karierten Wachstischtüchern. Die Alfama will erwandert werden. Dann sieht man auch schnell, das hinter den pittoresken Fassaden teilweise unglaublich ärmliche Wohnungen liegen. Die Alfama ist aber wieder in in Lissabon. Je höher man zum Kastell steigt, desto edler und teurer werden die luxussanierten Häuser. Es ist eine Frage der Zeit, bis die Bewohner der Alfama irgendwo draußen in den Trabantenstädten landen – und unglücklich werden. Ob Fado im 16. Stockwerk noch gut klingt … ?