Ich, Felder !

Bisher war mir der Nachname Felder eigentlich nur aus dem Skisport und aus der Protestszene ein Begriff. Andreas Felder war einmal einer der besten österreichischen Skispringer und mehrfacher Medaillengewinner.Thomas Felder hingegen ist ein Songpoet, stammt von der Schwäbischen Alb und hat ab den 70 Jahren auf ziemlich allen Protestfestivals seine Klampfe geschlagen (und ist übrigens der Papa der begabten Johanna Zeul). Seit letzter Woche kommt nun noch ein Felder dazu, der seine Namensvettern bei weitem in die Tasche steckt – Franz Michael Felder aus Schoppernau in Vorarlberg.

In der Ahnengalerie bedeutender Vorarlberger gebührt ihm gewiss ein Spitzenplatz – was angesichts vieler Landsleute mit dunkelbrauner Vergangenheit auf den ersten Blick nicht ganz so schwer erscheint. Felder war Bauernsohn, Dichter, Schriftsteller und Revolutionär in einem. Im Vorarlberger Landesmuseum zu Bregenz, einem wirklich sehr beachtenswerten modernen Kunstbau hinter der Seepromenade, wird Felder in einer großen Schau zu seinem Geburtags gedacht.

Franz Michael Felder, geboren am 13. Mai 1839 in Schoppernau, ist von Kind an nach einer verpfuschten ärztlichen Behandlung auf einem Auge blind, eignete sich autodidaktisch ein breites Wissen an und rebelliert gegen festgefahrene Strukturen in Wirtschaft, Politik und Literatur. Er schreibt als erster Bauer Vorarlbergs Erzählungen und Romane aus dem Dorfleben, gründet eine der ersten Leihbibliotheken der Monarchie, eine revolutionäre Sennerei-Genossenschaft und die „Vorarlberg’sche Partei der Gleichberechtigung“. Zwischen 1863 und 1869 schreibt er die Dorfgeschichte „Nümmamüllers und das Schwarzokaspale“, die Romane „Sonderlinge“ und „Reich und Arm“ und die Autobiografie „Aus meinem Leben“ – intensive Dorfgeschichten, die in den literarischen Salons gefeiert werden. Felder wird auf eine Stufe mit Berthold Auerbach aus dem Schwarzwald gestellt, wobei Felder kritisiert, dass Auerbachs Figuren viel zu gelackt und geleckt beschrieben sind und nichts mit dem harten Leben auf dem Lande zu tun haben.

Die Ausstellung zu Felders 175. Geburtstag ist absolut sehenswert, toll und kühn konzipiert und passt wunderbar in das schöne Museum. Sie ermöglicht im Wortsinn einen kurvenreichen Spaziergang durch das bäuerliche Leben im 19. Jahrhundert, ist klug gebaut und bietet überraschende akustische Begegnungen mit dem umtriebigen Schaffen von Franz Michael Felder.

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2 Gedanken zu “Ich, Felder !

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