Deutschedo

Ja, ein Oktoberfest gibt es hier. Und einen Flohmarkt. „Man spricht Deutsh“ in Dolcedo. Der Metzger heißt hier Metzger und unter dem Schild „Farmacia“ steht, wie es sich gehört, Apotheke. Es gibt auch noch einige Einheimische, richtige Italiener. Aber geht man nach den Kennzeichen und den Satzfetzen auf der Straße, sind die meisten der Einwohner der Gemeinde im Prino-Tal immigrati, Zugezogene, manche schon in der zweiten Generation.

Vor 40 Jahren ging es hier los. Weil man in der Fremde nicht gerne alleine ist, haben sich rund um Dolcedo immer mehr Deutsche angesiedelt. Ich kenne Leute aus Dolcedo oder aus Vasia, das ist die Berggemeinde oberhalb, die machen schon ewig Urlaub in der eigenen Immobilie und sprechen nur lausig italienisch. Braucht man eigentlich auch nicht. Der Handwerker spricht perfekt deutsch, die Behördengänge macht eine deutsche Agentur und wer Immobilien sucht, lässt sich von Barbara Meyer beraten.

Das Prino-Tal ist auch schön. Wir haben uns trotzdem dagegen entschieden. Nicht zuletzt wegen der vielen Deutschen. Bei uns im Dorf gibt es auch tedesci, zwei Paare haben sich in Ville San Pietro zur Ruhe gesetzt, einige andere haben Ferienhäuser. Unser kleiner Borgo ist aber eine italienische Insel. Und das ist gut so. Wir sind die einzigen Ausländer in dieser kleinen Welt. Und wir beginnen neugierig, sie zu entdecken. Die Sprache kommt ganz von alleine. Jeden Tag und Wort für Wort.

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4 Gedanken zu “Deutschedo

  1. Diese Auswanderer heissen bei mir „Exilanten“. So manche schöne Gruselgeschichte gibt es so aus Portugal zu berichten. Alles kommt vor: Liebe, Lust, Eifersucht und sogar Mord. Es ist doch sehr gefährlich in so eine Enklave zu ziehen… Aber Du wirst es meistern.

  2. Ein wenig seltsam ist doch trotz allem, in die Ferne zu ziehen und dort nach und nach das Leben so einzurichten, wie man es dort, wo man herkommt, auch gelebt hat? Ich kenne das von Zuziehern ins Valle Gran Rey auf Gomera, von Orten auf Mallorca, aber eben auch von Berlin und den Menschen, die hier ins hippe Viertel ziehen, um zu allererst mal den Club in der eigenen Straße dichtmachen zu lassen.

  3. An deiner Stelle hätte ich mir auch einen anderen Ort gesucht, obwohl das Prino-Tal wirklich schön ist. Ich war mal eine Woche in Isolalunga, etwas unterhalb von Dolcedo, und mir ist die Deutschendichte in dieser Ecke, vor allem halt in Dolcedo, auch aufgefallen. Wenn man schon ins Ausland zieht, dann doch lieber nicht in eine deutsche Kolonie. Da scheint ihr es ja richtig getroffen zu haben in eurem Borgo.

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