Grazie, Montegrazie

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Es gibt nicht so wahnsinnig viele verschlafene Bergdörfer im ligurischen Hinterland, die von sich behaupten können, litararisch verewigt worden zu sein. Montegrazie ist solch ein Ort. Aber ob man nun unbedingt „Das Wasserhaus“ von Magaret Minker gelesen haben muss, um den Weg über die Serpentinen hier hinauf zu finden, ist eher Ansichtssache. Das Buch der deutschen Medizinjournalistin ist von der Handlung her doch etwas schlicht konstruiert: Deutsche Aussteigerin sucht Lebensglück in Montegrazie – Bevölkerung tritt der Dame ablehend bis feindselig gegenüber – und schwupps flammt die Liebe zu dem örtlichen Denkmalschützer auf ! So einfach kann die Welt sein.

Montegrazie ist ein kleines Bergdorf hinter Imperia und aus anderem, doppeltem Grund einen Besuch wert. Einerseits liegt hier in beherrschender Hanglage die Wallfahrtskirche Nostra Signora delle Grazie – und gleich gegenüber, für den Freund der eher weltlichen Genüsse, das Ausflugslokal „Al santuario“. Die Kirche geht auf ein Marienwunder im 15. Jahrhundert zurück, als ein taubstummes Mädchen aus dem nahen Moltedo auf wundersame Weise geheilt wurde und der Vater eine Kapelle stiftete. Für alle Kunstfreunde, die im zeitigen Frühjahr oder im späten Herbst die mittelalterlichen Gemälde und Fresken besichtigen wollen, eine kleine Warnung. Die Kirche ist dann geschlossen, den Schlüssel aufzutreiben ist schwierig bis manchmal unmöglich. Besonders dann, wenn Beniamino Giribaldi auch nicht daheim ist. Er verwahrt sonst den Kirchenschlüssel.

Wenn man dann einen Tag erwischt, an dem auch noch das weitgerühmte Restaurant „Al santuario di Montegrazie“ geschlossen ist, dann hilft nicht einmal ein Marienwunder. Das Restaurant ist wochenends sehr gut frequentiert; eine Reservierung am Vortag unerlässlich. Mit einem leichten Grummeln im Magen kann man an solchen Tagen weinigstens ungestört den bezaubernden Blick ins Tal und auf die steil aufragenden Bergkette genießen. Und geloben, bald wieder zu kommen. Mit Anmeldung.

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4 Gedanken zu “Grazie, Montegrazie

  1. Du warst schon immer ein Italien-Pionier. Heutzutage ist das Restaurant nicht nur bei den Einheimischen, sondern auch bei den Zugereisten und ihren Gästen ziemlich beliebt. Das gilt auch für andere Landgasthäuser in der Gegend. Ohne telefonische Voranmeldung kann es schwierig sein, einen Tisch zu bekommen.

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