Bye Bye, Brezman

Schwaben sind schon ziemlich eigensinnig. Stuttgarter Schwaben, also die mit dem leichten Hang zum Wutbürger, sowieso. Und nachtragend. Wenn also einer daherkommt, dann auch noch ein Exil-Schwabe mit Wohnsitz in Berlin, und sich ihnen anbiedert als erfolgreicher Geschäftsmann, als Unabhängiger, als Bürger, der OB werden will, dann schalten sie erstmal auf stur. Wenn dieser Werbefuzzi dann auch noch die Brezel als sein Wahlkampfsymbol ausguckt, dann reagieren sie ziemlich allergisch. Eine echte Laugenbrezel ist ein echtes Qualitätsprodukt. Punkt.

Dass ausgerechnet Sebastian Turner, dessen Agentur wir den Slogen „Wir können alles, außer Hochdeutsch“ verdanken, solch einen groben Schnitzer baut, ist mehr als verwunderlich. Seine Kampagne war dermaßen flau und albern, dass er sich über den Spitznamen “ Brezman“ nicht zu wundern brauchte. Und von wegen unabhängig: die abgehalfterten bürgerlichen Parteien der Stadt mobilisierten alles, was Beine hatte, zu seiner Unterstützung. Sogar Mutti Merkel, die sich aber auf dem Stuttgarter Marktplatz gegen die S 21-Gegner kaum Gehör verschaffen konnte.

Auch die Werbeweisheit, dass man lieber seine Vorteile als die angeblichen Nachteile des Konkurrenten in den Mittelpunkt stellen sollte, hat Turner grob mißachtet. Seine „Die Grünen wollen uns das Auto vermiesen und sofort eine City-Maut einführen“ und seine agressive Schmähkampagne war letztlich ein klassischer Rohrkrepierer. Dass er dann ausgerechnet an dem Tag, an dem der dritte IC nacheinander im Hauptbahnhof entgleist und die Bahn eklatante Sicherheitsmängel im geplanten Erdbahnhof zugeben muss, mit „S 21 sicher zuende bauen“ plakatiert, lässt Werbefachleute an seiner angeblichen Kreativität und Kompetenz vollends zweifeln.

Fritz Kuhn, der brave Alt-Grüne, musste also gar nicht so viel tun. Turner selbst und die Bahn sowieso haben ihm die Wähler zugetrieben. Jetzt also sitzt in Stuttgart der erste grüne Ministerpräsident und auch noch der erste grüne OB einer Landeshauptstadt. Daimler wird deshalb nicht auswandern – und die Grünen werden auch deshalb nicht plötzlich revolutionäre Politik machen. So sind sie dann auch wieder, die Schwaben. Leider.

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3 Comments

  1. Ziemlich viel „Ungeschicklichkeit“ hat er da an den Tag gelegt, der Herr „Brezmann“… Tja, die schwäbischen Grünen werden sicher keine revolutionäre Politik machen, schließlich sind sie genauso behäbig wie die (sym)badischen… Und die Badener sind vielleicht weniger Wutbürger als die Schwaben, dafür aber ziemlich freudlos.

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