Hexenwetter

Gestern vor vielen hundert Jahren muss hier in der Gegend etwas ganz Ungeheurliches passiert sein, und zwar in südwestlicher Richtung hinter dem Colle d`Oggia, der sich auf der anderen Talseite auf fast 1 200 Meter hoch zieht. Im Nachbartal, im hinteren Valle Argentina, sind sie heute Nacht wieder den Besen geritten. 

Die Hexengeschichte von Triora geht zurück auf eine Hungersnot im Jahr 1587. Das hungrige Volk begann, an Hexen und ihre Machenschaften zu glauben. Gesteuert vom etwas tumben Genueser Verwalter Giulio Scribani begann im Januar 1588 die Verfolgung zahlreicher Frauen. 30 kamen ins Gefängnis, wurden eingekerkert, gefoltert und erbarmungslos verhört. Eine von ihnen, eine gewisse Isotta Stella, hielt nicht durch und stürzte sich aus dem Fenster des Raumes, in dem sie gefangen gehalten wurde. Viele andere bekannten sich schließlich diverser Vergehen schuldig, die sie nie begangen hatten. 15 wurden zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Heute lebt die kleine Gemeinde Triora von ihrem Ruf als Luftfrische und eben von den Hexengeschichten. Unten im Tal, in Molina di Triora, muss man schon zweimal die Augen zukneifen, um die Besitzerin des Krimskramsladens „Bottega di Angelamaria“ nicht…

Heute Nacht also muss einer der schrecklichen Gedenktage gewesen sein. In der milden Herbstsonne baut sich ein unglaubliches Gewitter auf, Blitz und Donner machen „mein“ Tal zur Hexendisco, es schüttet stundenlang wie aus Kübeln, dann ziehen feine Nebelschwaden durch die Häusergassen. Und rum ist der Spuk. Das Wasser war feinsäuberlich dahin geflossen, wo es hingehört – in die Oliventerrassen. Das Haus selbst ist absolut trocken geblieben.

Die Auswirkungen konnte man heute Mittag noch unten am Meer sehen. Es war unruhig, eine hohe Brandung peitschte an die Mauern von Porto Maurizio. Und jetzt… geht gerade die Sonne hier oben unter – und die alte Nachbarin bringt mir einige von ihren selbstgepflückten Trauben vorbei. „Wir machen den Wein selber“, lacht sie dabei. „Aber nur zum Hausgebrauch“.

Advertisements

2 Gedanken zu “Hexenwetter

  1. Hexen also! Die grüne, dicke, mehr als einen Meter lange Schlange dagegen, die mir einst in Triora auf dem Weg zum Friedhof über die Füße gelaufen ist, war sicher der Medusa vom Kopf gerutscht. Auf jeden Fall ließ sie mich für eine ganze Ewigkeit in einem Schrei erstarren. Meine Begleiter hätten sich vermutlich in Gesellschaft der Hexen wohler gefühlt.

    Was für schöne Fotos!

  2. Ja, wenn es dort schüttet, dann heftig. Angesichts dieses Unwetters wundert es mich nicht, dass dir die Hexen in den Sinn gekommen sind. Ach, ich habe Sehnsucht nach Porto Maurizio…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s