Letzte Ruhe mit Aussicht

Ist doch prima, wenn eine Gemeinde weitsichtig schon mal an die folgenden Generationen denkt. In Montalto Ligure hat man den Friedhof der Gemeinde vorausschauend auf halbe Höhe zwischen dem Flusslauf und der mittelalterlichen Gemeinde platziert. So können sich alle, die die Gräber der Anverwandten besuchen, zumindest auch noch an einer fabulösen Aussicht erfreuen. Direkt nebenan das Kirlchlein La Pieve de San Giorgio mit Fresken aus dem 13. und aus dem 14. Jahrhundert. Ein schöner Platz, um mal kurz abzuschalten.

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6 Gedanken zu “Letzte Ruhe mit Aussicht

  1. Tod mit Fernblick … ein gediegener Ruhepolster.
    Jetzt würde mich nur noch interessieren, ob Filomena sich mit ihrer Grabesnachbarin im Leben gut verstanden hat oder ihr gar spinnefeind war?

    1. Filomena und Lucretia konnten sich überhaupt nicht ausstehen. Kein Wunder, schließlich hatten beide um die Zuneigung von Ettore Viano gebuhlt, dem späteren Mann von Filomena. Lucretia hingegen zog sich verbittert in ein Haus am Rande des Dorfes zurück und wurde von Tag zu Tag wunderlicher. Erst jetzt sind sich die beiden wieder näher gekommen.

      1. Wider Willen wohlgemerkt.
        Dabei hatte Lucretia noch diese Klausel in ihr Testament einfügen lassen, dass sie ‚nicht feuchten noch trockenen Blutes jemals den Abstand von 10m zu jener Kreatur Filomena zu unterschreiten wünsche‚ und wenn es nach ihr ginge hätte sie der Klausel noch 2 Seiten Flüche und Verwünschungen angehängt. Was jedoch Lucretia wie Filomena in ihrem blinden Zorn übersahen, war die kleine Ugolina, Tochter des Patrone della Bonaventura und so liebreizend bescheidene Gattin des Testamentsvollstreckers Montalto Ligures. Jene nämlich entwendete dereinst stillheimlich die Letztfassung des Testaments. Und nur ein leichtes Zucken ihres linken Mundwinkels hätte aufmerksamen Beobachtern bei der Bestattung Lucretias verraten können, welche Rolle sie zwischen den beiden Feindinnen spielte. Das Zucken des Mundwinkels … oder das kurze vertrauliche Zwinkern Ettores, als sie ihm ihr Beileid bekundete.
        Sie wußte, sie würden sich auch an jenem Abend wieder im Hinterzimmer des Schuppens hinter dem Olivenhain treffen, so wie schon die letzten 15 Jahre zuvor – immer dann, wenn der Testamentsvollstrecker zum Kartenspiel ging …

        1. Ja,Ja, Ugolina, das war schon ein rechter Feger in den Gassen des beschaulichen Montalto Ligure. Immer dann, wenn das Klackern ihrer Absätze durch die engen Gassen hallte, war die Männerwelt des kleinen Ortes wie elektrisiert. Sogar Lorenzo, der leicht bucklige und fast zahnlose Gastwirt der Schänke am prächtigen Marktplatz, hatte seinen – zugegebenermaßen bescheidenen – Verstand an „Lina“, wie sie genannt wurde, verloren. Dass sie ausgerechnet mit dem eher farblosen Testamentsvollstrecker ein Techtelmechtel angefangen hatte, erstaunte nicht wenige. Angeblich wurde das ungleiche Paar immer wieder auch in San Remo gesehen, wo sie sich im feudalen „Grand Hotel des Anglais“ ein nicht gerade billiges Schäferstündchen gegönnt hatten.

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