Landleben


Wer ein Gasthaus in der kleinen Sammel-Gemeinde Fröhnd im Wiesental betreibt, braucht schon etwas Courage. Wenn es sich dabei um einen 440 Jahre alten Schwarzwaldhof handelt, dann sowieso. „Sago“ Müller ist aus so einem Holz geschnitzt. Der ehemalige Schreiner und Seemann hat den „Hirtenbrunnen“ im Gemeindeteil Hof vor zwanzig Jahren übernommen und seitdem Stück für Stück sehr behutsam auf Vordermann gebracht. Heute kehren die Leute gerne beim „Sago“ ein, genießen seine selbstgemachten Kuchen und das rustikale Vesper, das in einer ausgewachsenen Wildsau auf dem Eichenbrett ihren Höhepunkt findet. Den Met dazu trinkt man aus gewaltigen Hörnern. Denn „Sago“ hat`s mit den Kelten, die den naheliegenden Belchen als einen heiligen Berg verehrten.

Die Wirtsstube war früher mal das Wohnzimmer, das Nebenzimmer wurde aus der Schlafkammer gemacht. Auf zwei Stockwerken bietet der Wirt des Hirtenbrunnens gediegende und gepflegte Unterkunft. Schön ist es, vor dem Haus zu sitzen, unter dem typischen, tief gezogenen Dach des alten Schwarzwaldhauses, mit Blick in den verwunschenen Garten. „Sago“ macht vieles selbst, gerade setzt er Holunderblütensirup an; das Brot backt er selbst, sein Wild bekommt er von befreundeten Jägern. Er selbst jagt nur noch in Kanada, dort verbringt er einige Wochen im Jahr. Kajaks baut er auch, nach indianischem Vorbild und aus Birkenrinde. „Sago“ ist ein echter Kauz. Wenn er mal anfängt zu erzählen, ist das eine Tour d`horizon von den Kelten über ökologische Aspekte des Landlebens bis zu seiner Liebe für schwere Motorräder.

Ein Besuch im Hirtenbrunnen ist wirklich lohnenswert. Die Landschaft ist fett und grün, die Kühe marschieren abends pünktlich durch den Flecken, die Einkehr bei „Sago“ ist seit Jahren ein Erlebnis. Unser Bundes-Jogi (er stammt aus dem nahen Schönau) hat sich auf der Terrasse des Hirtenbrunnens erst kürzlich für die Europameisterschaft gestärkt. Da kann wohl nichts mehr schiefgehen.

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8 Gedanken zu “Landleben

  1. Schön (und) urig! Das schau ich mir auch mal an! Aber unser Bundesjogi mit den schwarzen Schwarzwaldaugen hat sich dort wohl nicht genug gestärkt…

    1. Hätte Bundesjogi, wie ich beim letzten Besuch, Wildschweinbratwürte mit Kartoffelsalat gegessen, hätten wir erst die Italiener und dann die Spanier weggeputzt. Darauf einen Himbeergeist !

  2. Hach, sehr schön! Könnte fast aus einer dieser neuen „Landwasweißich“-Lifestyle-Zeitschriften sein!
    Aber von den Kelten bis zu den Motorrädern, das hört sich eher nach einer Tour de force an 😉

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