Cool City

Wenn man erstmal in Oslo ist, dann ist es nur ein Katzensprung nach Grönland. Genauer: vom Hauptbahnhof zwei Haltestellen mit der Tram. In Grönland (schreib:Grønland) leben die Migranten von Oslo, hier geht man auch einkaufen, wenn man für frisches Obst oder Gemüse nicht gerade Apothekenpreise bezahlen will. So steht die gepflegte Nordländerin im Kostümchen ebenso Schlange wie der Student mit Rastalocken oder der Einwanderer aus Schwarzwafrika.

Fährt man mit der Tram nochmals drei Stationen weiter, ist man in Grünerløkka. Das ist der In-Stadtteil von Oslo, hier muss man eigentlich wohnen. Der ehemalige Arbeiterstadtteil ist eine Mischung aus Greenwich Village, Friedrichshain, Schwabing und Schanzenviertel. Hier liegt in einer alten Fabrik die Kunsthochschule, drumherum haben sich Kneipen, Cafés, Clubs und Theater angesiedelt. Grünerløkka teilt das Schicksal der Szene-Stadtteile. Die über 40 000 Einwohner wollen gepflegt untergebracht werden, am liebsten gleich eine ganze Etage in den schönen Bürgerhäusern oder den Fabriken. Die Quadratmeterpreise sind entsprechend inflationär.

Der Olaf-Ryess-Plass erinnert verschärft an den Boxhagener Platz in Berlin. Tout Oslo sitzt in der Sonne, in den Straßencafés wie dem hübschen, gemütlich-plüschigen „fru Hagen“, wo die Burger noch selbstgemacht und auch bezahlbar sind. Rein klamottentechnisch scheinen viele in Werbeagenturen oder Architekturbüros zu arbeiten. Aber das kennen wir ja aus anderen Ecken der Welt auch.

Besonders schön ist ein Spaziergang am Fluss Aker entlang. Man startet an der Kunsthochschule, hinter der ein Wasserfall ins Tal donnert, schlängelt sich mit dem Fluß langsam Richtung City, vorbei an interessanter Bebauung, der Schule für Tanz, einem neuen Designerhotel bis zum Epizentrum des Quartiers, der Ecke rund um den Club BLÅ . Es ist der Club schlechthin für Jazz und Indie-Musik, fast jeden Abend spielt eine Band. Sonntags sollte man unbedingt hingehen – auch um seinem Portemonnaie eine kleine Erholungspause zu gönnen. Sonntags spielt das „Frank Znort Quartet“, seit Ewigkeiten. Quartet ist ganz leicht untertieben – es handelt sich um die Oslo-Allstars. So 15 bis 20 Musiker drängeln sich auf der Bühne des Live-Clubs. Soul, Blues, Jazz – die ganze Bandbereite. Man sollte früh kommen und mindestens 23 Jahre alt sein. Irgendwann mal ist der Club wegen Überfüllung geschlossen, man kommt nicht mal mehr rein in den witzigen Biergarten direkt am Fluss.

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4 Comments

  1. Hach, wäre ich doch mal nach Oslo geflogen, als dort ein Schwippverwandter in einem ziemlich großen Haus wohnte, aber die dazu gehörige Gattin ist… hmm… Ich war bisher nur auf dem Flughafen, um nach Stavanger weiter zu fliegen. Aber von dort hätte man auf das eche Grönland fliegen können, was mich damals sehr beeindruckt hat…

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