Schilllbaer !!!

Dies wird kein Beitrag über Fußball. Dies ist aber eine Hommage an einen kleinen Fußballer, der es zu einem meiner TV-Lieblinge gebracht hat. Er ist Kult, diese Mischung aus Fahrrad-Brille und grauer Strähne im Retro-Look der 60er Jahre. Er schnodddert sich durch Sendungen, hält rein gar nichts von gedrechselten Weisheiten wie “ Wir müssen dem Gegner durch konsequentes Vor-Pressing unserer Doppelsechs das Spiel aufzwängen“, er schert sich nicht um political correctness und schon gar nicht um sein dummes Geschwätz von vor fünf Minuten – er ist also der Gegenentwurf zu den gelackten TV-Experten, Souffleuren und Besserwissern wie Olli Kahn, Mehmet Scholl oder, noch schlimmer, Peter Neururer, dessen Nuschelkommentare nicht mal im Ruhrgebiet zu verstehen sind.

Gilbert Gress, bei uns „Schilllbääär“ genannt, hat mich schon als kleiner Bube verzückt. Damals war er, soweit ich mich erinnere, der erste Franzose beim ruhmreichen VfB Stuttgart. Ein Flügelstürmer und Revoluzzer aus dem Elsass. Seine Mähne war schon damals legendär, sein Dickkopf aber auch. Er verpasste wegen seiner Haarpracht ein Länderspiel, auch in Stuttgart weigerte er sich lange hartnäckig, sich die Haare auf das damals übliche Streichholzmaß stutzen zu lassen. Vier Jahre lang hat er für die „Roten“ in der Bundesliga gekickt, danach zog er weiter, zurück nach Frankreich, dann in die Schweiz. Als Trainer hat er in diesen beiden Ländern viele Erfolge gefeiert, an die er sich heute bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit erinnern muss. Ehre, wem Ehre gebührt!

Im Schweizer Fernsehen hat Gilbert Gress nun seine Bestimmung gefunden. Der kleine Mann – die Grauhaarfrisur sitzt bis heute völlig deplatziert in weit geschwungenem Scheitel über einer überdimensionierten Brille – ist einer der beiden Experten bei SF 2. Wenn „Schilllbääär“ zusammen mit Raphael Wicky und dem Gastgeber Rainer Salzgeber in die TV-Arena tritt, muss man sich im Ohrensessel anschnallen. Das ist Comedy vom allerfeinsten, erinnert an die ganz frühen Scharmützel Delling-Netzer (als die noch wirklich gut waren). Gilbert ist der alte Punk der Sportberichterstattung: etwas eitel, immer schlagfertig und so was von wendig – wie damals als Flügelstürmer. Prohezeit er vor dem Spiel einen klaren Sieg von Real, so hat er spätestens in der Halbzeit die Bayern vorne, um am Ende nach Penaltyschießen in wunderbar elsässisch-schwyzerdytschem Dialekt und im Brustton der Überzeugung zu verkünden, er habe ja schon immer gesagt, dass… Großartig, so was kriegt in der Politik nur der Rösler hin, vielleicht noch der Seehuber. Rainer Salzgeber,Typ feiner Schnösel, meist mit feinem Einstecktuch, versucht ihn festzunageln, wie einen Pudding an der Wand. Er kann nur scheitern.

SF 2 ist mein Lieblings-Sportsender geworden. Wegen Gilbert. Aber auch wegen solch großartiger Reportersätze wie „Noch fünf Minuten bis Buffalo…“

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10 Gedanken zu “Schilllbaer !!!

  1. Entschuldige bitte, aber ich muß dabei immer an das hier von Twitter denken:
    @littlewisehen Kindergartenkind behauptet, es heiße „Pirschelbär“ – Anruf bei Eltern ergibt: Der Junge heißt „Pierre-Gilbert“.

  2. Den süßen Maki kannte ich, den Schilllbääär nicht. Aber wenn er sich ähnliche Scharmützel mit seinen Gesprächspartnern liefert wie früher Delling und Netzer, fände ich ihn auch witzig.

  3. Hm ja, also keine Ahnung, aber ich glaube Dir jetzt mal einfach, dass er super ist. Kenne nur Netzer und Delling und was das obere für ein Viech ist, weiß ich auch nicht, sieht aber nett aus. Doch, ein Zwergmaki oder etwas in der Art?

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