Zacken zum Himmel

Mainz, die rheinlandpfälzische Metropole, ist nicht gerade bekannt als Mekka der Architekturfans. Das liegt wohl auch an den Mainzer TwinTowers, die wie ein Mahnmal aus den Hohejahren des Bau-Blödsinns in den 70ern die Silhouette der alten Stadt beherrschen. Auch am Rheinufer werden erst allmählich die schrecklichsten Betonsünden wieder korrigiert. Seit einiger Zeit aber hat Mainz in seinem quirrligen Gründerzeit-Viertel Neustadt ein wirkliches Juwel zu bieten: atemberaubend, einzigartig, spektalulär – die Neue Synagoge.

Was für ein ungewöhnliches Gebäude, was für eine ungewöhnliche Form ! Es ist, als ob ein fester Baukörper explodiert ist und die Trümmer nun wild in den Himmel ragen. Dabei ist die Idee einleuchtend: die fünf Schriftzeichen des hebräischen Begriffs „Quadushah“ (also etwa „Heiligung“) sind in fünf verschiedene, ineinander verschachtelte Baukörper umgesetzt. Höchster Bauteil ist das Zeichen „Quoph“. Es soll an das Widderhorn erinnern, mit dem dereinst die Gemeinde zusammengerufen wurde. Die Form des Baus ist nicht nur Selbstzweck, sondern architektonische Symbolik. Das Gebäude heißt übrigens „Das Licht der Diaspora“, das könnte man auf der gusseisernen Eingangstüre lesen, wenn man des Hebräischen mächtig wäre.

Die Fassade des bizarren Gebäudes ist bedeckt mit glasierten, geriffelten Majolika- Keramiken in einem satten Grünton. Je nach Sonnenlicht wechselt die Farbe von fast Schwarz bis hellgrün und gelblich. Die wilden Zacken der Synagoge erinnern sofort an das Jüdische Museum in Berlin. Klar, der Kölner Architekt Manuel Herz hat im Büro von Daniel Libeskind gearbeitet, bevor er sich selbstständig machte.

Mainz hat eine lange jüdische Geschichte. Ende des 19. Jahrhunderts hatte die jüdische Gemeinde über 3.000 Mitglieder, zum Kriegsende waren es noch 60. Heute zählt die jüdische Gemeinde in Mainz wieder rund 1.000 Mitglieder. Reste der früheren Hauptsynagoge zieren den Vorplatz des Neubaus. Bleibt eigentlich nur ein kleiner Makel – die Postadresse der Neuen Synagoge lautet ausgerechnet … „Hindenburgstraße“.

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14 Gedanken zu “Zacken zum Himmel

          1. Hat Deine Tastatur heute einen Hänger ???

            Klappt… Dich und Lakritze hab ich schon mal probehalber verhaftet. Der Rest folgt morgen.

          1. Ah, ok, komisch, hatte ich nicht geblickt. Also feedly: Wenn Du auf ein Blog gehst, z. Dein eigenes, hast du rechtsw unten auf dem Bildschirm ein graues oder grünes Kästchen mit so nem Pfeil? da draufdrücken

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