Ausgeknipst

Es war einmal eine Weltfirma. Heute hat sie Insolvenz angemeldet – KODAK. Dahinter steckt für mich immer die Leidenschaft, mit Bildern zu leben, in Bildern zu denken. Meine aktuelle Zweitkamera ist eine KODAK Easyshare, gekauft für 70 australische Dollar in Sydney auf dem Chinesenmarkt. Immerhin hat sie ein Schneider-Objektiv made in Koblenz. Die Kamera tut gute Dienste neben meiner alten, unerreichten AE 1, die nun schon 35 Jahre auf dem Buckel hat und von einer anderen fotografischen Zeit kündet.

KODAK, das ist auch eng verbunden mit dem Stuttgarter Stadtteil Wangen. Jahrzehntelang war die Fabrik in Wangen der fotografische Nabel in Süddeutschland. So ziemlich jedes Urlaubs- oder Hochzeitsfoto ging dort durch die Maschinen. Ich war da etwas mißtrauisch: ich habe die 1 300 Dias einer USA-Reise lieber in einem kleinen Labor entwickeln lassen.

KODAK hatte sich in den 30er Jahren in Stuttgart eingekauft. Zuvor war dort die August-Nagel-Fabrik für Feinmechanik untergebracht. Nagel war einer dieser unglaublichen Tüfftler, von denen im Südwesten einige daheim sind. Kameralegenden wie die ZEISS Contessa oder die KODAK Retina sind auf seinem Mist gewachsen. Tragisch für Nagel: sein Unternehmen ging durch beide Weltkriege, wurde zweimal zur Rüstungsproduktion umfunktioniert.

KODAK Stuttgart hatte mal annähernd 5 000 Mitarbeiter. Heute sind noch um die 200 übriggeblieben. Und die, so lese ich gerade, sind von der Insolvenz der amerikanischen Mutter nicht betroffen. Immerhin.

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5 Gedanken zu “Ausgeknipst

  1. … hin zum Instant halt. Ich habe noch zwei alte Apparate (einer davon eine Rollfilmkamera), aber ich benutze sie nicht, weil ich keine Filme bekomme / entwickeln lassen kann. Vielleicht können die verbleibenden Kodak-Mitarbeiter eine gute Infrastruktur für Sentimentale aufbauen, dann wären Leute wie ich vielleicht wieder Kundschaft?

  2. Tja, die Ära der Analogfotografie ist irgendwie zuende. Nur noch in den Exotenecken überlebt sie und diese Exoten haben inzwischen Mühe Filmmaterial zu bekommen. Wir arbeiten in der Dokumentation mit SW-Fotos, denn noch sind diese immer noch das haltbarste Fotomedium (abgesehen von Glasnegativen).
    Drücken wir die Daumen für die 200 in Stuttgart!

    1. NEIN – NEIN – NEIN !!!

      Sobald mein Berliner Söhnchen meine Canon AE 1 nicht für künstlerische Zwecke braucht, mach ich weiter. Reduziert zwar, aber in jedem Fall. Ich weiß inzwischen, wo es Ilford-Filme gibt und welches Labor noch Kontakstreifen und dann Abzüge macht.

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