La città vecchia

In den Stadtvierteln
wo die Sonne nicht hinscheint
weil sie zuviel zu tun hat
um andere Leute zu wärmen
singt ein junges Mädchen das alte Lied der Dirnen:
„Was du nicht kennst,
wirst du nur in meinen Armen erleben“.

Was ihr in ihrem Alter noch an Fertigkeiten fehlt
wird sie bald wettmachen, durch Erfahrung…

…Vier Rentner, halb besinnungslos am Tischchen.
Du wirst sie dort bei jedem Wetter finden
im Sommer und im Winter
wie sie sich masslos besaufen
und masslos schimpfen
über die Frauen, das Wetter und die Regierung.

Sie suchen dort das Glück
in einem Glas
damit sie vergessen
dass sie betrogen wurden…

Der alte Lehrer, was sucht er an dieser Tür?
Vielleicht sie, die ihm was beibringen kann.
Sie, die er am Tag verächtlich ‚öffentliche Frau‘ nennt.
Er wird sie suchen
sie mehr als eine Nacht anflehen …
und seine halbe Rente wegschmeissen.
Zehntausend Lire
nur damit sie ihn `schöner Kater` nennt.

Wenn du tiefer in die Gassen des alten Hafens gehst
in diese stickige Luft
angereichert mit Salz
voller Gerüche
findest du Diebe, Mörder und den komischen Typ
der seine Mutter für dreitausend Lire an einen Wicht verkaufte.

Wenn du als braver Bürger richtest
wirst du sie zu fünftausend Jahren verurteilen.
Wenn du sie aber wirklich verstehst
sind sie für immer Kinder
Opfer dieser Welt.

Auszüge aus: Fabrizio de André „La cittá vecchia“

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