À la française


Wer hat schon auf die Schnelle die Zeit und die Moneten, in den Flieger zu steigen und nach USA zu düsen, nur um einen Blick in den Grand Canyon zu werfen. Muss auch gar nicht sein – geht einfacher und billiger und nicht weniger spektakulär. Man nimmt die Departementstraße 71 im Norden der Provence und kurvt über die Corniche am Grand Canyon du Verdon. Fertig !

Alles ist eine Nummer kleiner als in Amerika – fast. Ich jedenfalls habe zwei italienische Tramper mitgenommen, die waren ähnlich groggy wie ich nach dem Gewaltmarsch in das Original in den USA vor vielen Jahren. Ich habe die beiden müden Wanderer wieder an ihrem Motorrad abgesetzt – und das ist dann auch die königliche Art, sich entlang dieses europäischen Naturwunders zu bewegen.

Es weht meist ein strammer Wind hier oben, auf fast 1000 Meter Seehöhe. Die D 71 zwirbelt sich entlang des Schluchtenrandes durch die Macchia, die man hier Garigue nennt. Was ist bewundernswerter? Der Blick in die Tiefe, wo Kajakfahrer ihre Bahn ziehen, in die Steilwände, wo Freeclimber unterwegs sind – oder der Blick auf die Tagestouristen, die munter plapernd durch die niedrigen Büsche stapfen, und sich dann wundern, wenn sich einen halben Meter vor ihnen der Abgrund auftut. Undenkbar im zivilisierten Mitteleuropa: Geländer, Mauern oder Zäune hat man sich einfach gespart.

Die Tour rund um den Canyon dauert im Auto einen Tag; „Le rive gauche“, das linke Ufer, ist aber vollkommen ausreichend, um einen eindrücklichen Geschmack von der Erosionsgewalt des Verdon zu bekommen. Schließlich will man sich zum Abschluss des Tages noch ein Bad im Lac de Sainte-Croix gönnen.

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10 Comments

  1. Diese grandiose Landschaft ist so schwer zu fotografieren. Es ist Dir gelungen, einen Eindruck zu vermitteln. Ich war mal Anfang November dort im letzten Aufleuchten der Herbstfärbung und nächtlicher absoluter Stille.
    Wenn ich die Fotos sehe, will ich wieder mal hin.

  2. Grandiose Fotos. Von der bemerkenswerten Nachlässigkeit, auf Schilder zu verzichten, die darauf hinweisen, dass man in einen Abgrund auch hineinfallen kann, habe ich schon (von karu) aus Spanien gehört. Unglaublich! Womöglich ist man da auch gar nicht versichert?

    1. Wenn Du erst mal unten angekommen bist, interessiert die Frage der Versicherung allenfalls noch deine Frau Gemahlin, die Du an dieser Stelle gerne unbekannterweise grüßen darfst. Sie hat es mit dem Herrn Magister – wie wir oft staunend nachlesen dürfen – ja nicht immer leicht…

      1. Na ja, man sollte eigentlich schon erwarten können, dass Menschen im Freien die Augen offen haben. Kann ja nicht überall Zäune hinbauen (mal ganz abgesehen davon, dass es schrecklich aussehen würde). Nein, nein, der kleine Rest Eigenverantwortung, der noch nicht gesetzlich reglementiert ist, kann ruhig erhalten bleiben.

        Aber ich stimme zu: grandiose Fotos!

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