Deutschedo

Kirche von Dolcedo / Ligurien

Wenn ein Ort in Italien einen solchen Spitznamen verpasst bekommen hat, muss es einen Grund dafür geben. In Dolcedo sieht man das auf Anhieb: deutsche Kennzeichen, vor allem aus Baden-Württemberg und aus Bayern, prägen das Ortsbild, auch einige Berliner sind noch zu entdecken. Die Haupstädter waren die ersten, die sich hier in der Gegend zumindest mit einem Zweitwohnsitz niedergelassen haben. Das ist inzwischen 35 Jahre her.

Barbara Meyer lebt seit 15 Jahren in der Nähe von Dolcedo und verdient ihr Geld bei der Immobilienagentur Valprino. Sie kann unendlich viele Geschichten von Menschen erzählen, die ihr Glück in dem Landstrich suchen, in dem die Oliven wachsen. Einige sind hier auf die alten Tage für immer sesshaft geworden, andere mußten ihren Traum vom italienischen Glück nach wenigen Jahren im Wortsinn teuer bezahlen.

Ich kenne eine Handvoll Leute, die sich im Tal der Oliven in einem der Weiler ein altes Dorfhaus gekauft und renoviert haben. Einer hat sich neulich einen Steinhaufen gegönnt und baut das Rusticco gerade wieder auf, im Moment steckt er auf dem Dach.

Frau Meyer ist mit vielen der „tedesci“ im Tal bekannt. Darunter einige, die nie heimisch geworden sind, weil sie bis heute die Sprache nicht oder nur rudimentär gelernt haben oder als bonzige Deutsche auftreten. Das kommt nicht besonders gut an bei den immer noch freundlichen Menschen im Hinterland von Imperia. Sie bleiben Fremde. Die einheimischen Olivenbauern haben ihre Häuser nicht unbedingt freiwillig abgegeben. Oft sind die Jungen lieber hinunter in die Stadt gezogen, nach Imperia, wo sie auch eine vergleichsweise „einfachere“ Arbeit in der Industrie oder im Handel gefunden haben. Sie leben heute in gesichtslosen Mehrfamilienhäusern, haben sich mit dem Verkauf des elterlichen Anwesens eine „moderne“ Eigentumswohnung geleistet. Einbauküche, Fahrstuhl und Balkon im dritten Stock statt Olivenkeller und steilen Treppen.

Wer den „immigrati“ also aus dem Weg gehen will, muß sich schon etwas weiter ins Tal zurückziehen: je höher, desto weniger !

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3 Gedanken zu “Deutschedo

  1. Zum Glück sieht man in Dolcedo deutsche und nun immer mehr niederländische, schwedische und norwegische Kennzeichen. Denn sind wir mal ehrlich, ohne das Engagement einiger Deutscher wären Dolcedo und seine Frazioni längst verfallen – tot. Heute lebt Dolcedo – von einem Tourismus in Maßen. Letztendlich sind es nur wenige Deutsche, die sich dauerhaft in Dolcedo niedergelassen haben, aber viele treue Wiederkehrer. Wie gut sie nun italienisch sprechen ist doch letztendlich egal. Problematischer sind die neuen Häuser (und Neubauruinen) an den Hängen rund um Dolcedo, Diese haben viele Einheimische errichtet, um sie als Ferienhäuser anzubieten – nachdem sie zuvor die alten Häuser verkauft hatten. Und jetzt besteht ein gewisser Unmut, dass die neuen Häuser bei Gästen nicht so gut ankommen. Eine tolle Seite mit Häusern und Tipps ist übrigens http://www.rivierapur.eu.

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