Ligurische Zwangsheirat

Es sind zwei ungleiche Schwestern, die 1923 auf ein Dekret des Duce hin plötzlich eine Einheit bilden mussten – Porto Maurizio mit seiner prächtigen Altstadt unter dem Dom, und Oneglia, die geschäftige Industrie- und Handelsstadt in Ligurien. Benito Mussolini hatte als Lehrer in Porto Maurizio gearbeitet und wohl gedacht, er tue mit der Zwangsheirat seiner alten Heimat etwas Gutes. Der neue Name Imperia scheint auf den ersten Blick dem Fluß Impero geschuldet, könnte aber auch mit der anderen Wortbedeutung, nämlich Reich, zu tun haben. So genau will das heute niemand mehr wissen. Seitdem jedenfalls gibt es in der Provinzhauptstadt im westlichen Ligurien fast alles gleich in doppelter Ausführung.

Porto Maurizio ist eine unaufgeregte Schönheit: enge Gassen, viele Treppen, kleine Plätze, Arkaden und mittlerweile auch zwei Fahrstühle vom „goldenen“ Strand in die Altstadt, dem Parasio-Viertel. Man lebt in Porto Maurizio – in Oneglia arbeitet man, früher etwa in der Pasta-Fabrik Agnesi, im Hafen oder in der Industrie, die sich ganz auf diesen Teil der schön geschwungenen Bucht konzentriert. In Oneglia gibt es zwar ein Museum über die ligurische Schifffahrt oder über die Herstellung von Olivenöl – am sehenswertesten war aber das Kaffeehaus Piccardo in der Nähe der Piazza Dante.

Porto Maurizio lädt ein zum Bummeln, zum Zeitungslesen im Café – vorzugsweise die Gazetta dello Sport. Unglaublich, wie man es schaffen kann, täglich 48 Seiten fast nur zum Thema Fußball zu fabrizieren. Mit dem Wissen um die neuen Transfers bei Milan oder um die Verletzung des Linksaußen von Sampdoria (mittlerweile abgestiegen in die Serie B !!!) kann einen nichts mehr erschrecken. Sogar beim Abendessen in einem der vielen ausgezeichneten Fischlokale unterhalb der Altstadt kann man mit dem einheimischen Tischnachbarn (fast) mithalten.

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10 Gedanken zu “Ligurische Zwangsheirat

  1. Schöne Bildimpressionen! In Porto Maurizio kann man noch ganz ungestört und ruhig direkt hinter den Häusern am Meer ein gutes fritto misto essen! Ach, ich kann gar nicht aufhören, deine Italien- und Frankreichberichte zu lesen, das sind schließlich meine Lieblingsreiseländer.

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