Landpartie nach Marbach

Alt & Neu: Frieder & das LIMO

Erst letztes Wochenende ist mit der alte Schiller mal wieder vor die Füße gefallen – in Pappenheim im Altmühltal. GENAU ! Die Frage übrigens, woran Wallenstein seine Pappenheimer erkennt, konnte nur einer beantworten, ein holländischer Arzt.

Höchste Zeit also, dem alten Frieder mal wieder einen Besuch zu widmen. Mit dem Rad gehts den Neckar entlang, vorbei an schönen Weinbergen in Steillage. Knapp 35 Kilometer sind es von Stuttgart nach Marbach, seiner Geburtsstadt. Einfache Strecke.

 

Erste Überraschung: direkt neben Schillers Geburtshaus, im schönen, alten Bürgermeisterhäuschen – hier residierte nach dem Krieg der erste und einzige kommunistische Bürgermeister – ist ein witziger Laden untergebracht: „Kabale & Liebe“, ein T-Shirt Hersteller, dem schlaue Schillerworte wie auf den Leib geschneidert sind. Ich hab mich für „Dem Manne kann geholfen werden “ (Die Räuber) und „Ich bin besser als mein Ruf“ (Maria Stuart) entschieden. Zweite Überraschung: die historische Altstadt ist ein echter Hingucker geworden – Fachwerk total, liebevoll gestaltete Ecken, kleine Kellergewölbe mit den schönen Dingen des Lebens.

 

Dritte Überraschung: auf der Schillerhöhe, direkt vor dem Nationalmuseum und dem LIMO, parken amerikanische Schlitten. Nettes Spielzeug, netter Kontrast. Das Altmühltal lässt wieder grüßen.

Nettes Spielzeug

Die größte Überraschung im LIMO selbst: etwa 120 Briefe und Postkarten von Franz Kafka an seine jüngste Schwester Ottilie. Sensationell. Kafka mal ganz, ganz anders. „Liebste Ottla“ beginnen die meisten der krakeligen und kaum leserlichen Schreiben. In einem Brief fragt er besorgt nach Ottilies Wackelzahn. Auf einer anderen Postkarte skizziert Kafka comicgleich, was er die letzten Tage gemacht hat. Seine Lieblingsschwester, die später in Theresienstadt umgebracht wurde, war seine Vertraute. Dem deutschen Literaturarchiv ist es in letzter Minute gelungen, die komplette Sammlung des Ottla-Briefwechsels zu erwerben, bevor diese Kostbarkeit bei einem Privatsammler verschwunden wäre.

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4 Gedanken zu “Landpartie nach Marbach

  1. Mann, dass ich es als Literaturwissenschaftler mit nicht-gecopypasteter Diss. immer noch nicht nach Marbach geschafft habe, das wird mir gerade um so schmerzlicher bewusst, als Dein Bericht mächtig Lust auf einen Besuch macht. Na ja, Manuskript fertig schreiben, dann vielleicht ein Zwei-Tages-Ritt im Augusturlaub, müsste doch drin sein.

  2. Hervorragend! Da wäre ich sicher auch stundenlang versumpert beim Ottla Briefe lesen.
    Ich finds aber wirklich schade, dass auf der LIMO Homepage so garnichts von den Schriften digitalisiert vorliegt. Mittlerweile gibt es ja schon einige Archive alter Schriften und Zeitungen im Netz zu finden, höchst wertvoll für Recherche und Bildung. Das geht mir bei der Online Präsenz des Limo wirklich ab.

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