Die Kinothek swingt

Herrlich altmodisch – das Foyer

Wir schreiben das Jahr 1958, es ist September. Im Stuttgarter Vorort Obertürkheim wird ein weiteres Lichtspielhaus eröffnet – es ist ungefähr das 30ste in der Stadt. Karl Helmreich legt zur Premiere der Kinothek das österreichische Drama “ Der Heilige und ihr Narr“ in den Projektor. In den Hauptrollen Willy Birgel und Hertha Feiler. Helmreich hat zuvor „beim Bosch“, so sagt man hier, eine sichere Stelle gehabt, er gibt sie auf , der Leidenschaft zum Kino wegen. Schon zuvor war er in Bernhausen auf den Fildern am Projektor gestanden.

54 Jahre später – das Kino ist immer noch im Besitz der Familie, die Geschäfte betreibt mittlerweile Sohn Ralf. Aus dem großen Saal sind zwei kleinere geworden. Früher füllten über 300 zahlende Kunden die Vorstellungen der Wallace-Filme oder die Abenteuer von Winnetou und Old Shatterhand. Im großen Saal haben heute noch 120 Cineasten Platz, im kleinen etwa die Hälfte. Das Ambiente ist wie damals, zu den Gründertagen. Es gibt eine Bar im Hintergrund, an den Sitzreihen stehen kleine plüschige Lämpchen, daneben ein Klingelknöpfchen für den Service am Platze. Es ist Kino wie Ende der 50er, nur das Programm ist ziemlich modern geworden. Die Kinothek gewinnt jedes Jahr die Auszeichnung des Landes für ein anspruchsvolles künstlerisches Programmangebot. In den Multiplexkinos mit den steilen Rängen, dem Dolby-Sound und den riesigen Leinwänden kann Filmschauen (wie gestern „True Grit“) schon zum Genuß werden – echtes Kino aber ist hier. In Obertürkheim.

Die Kinothek ist der richtige Platz für eine Reise durch die Jahrzehnte. Die Big Band des SWR hat das Lichtspielhaus zwei Tage lang belegt und belagert, gedreht wird ein TV-Special zum 60jährigen Jubiläum der Band. Regisseur Tom Krebs entführt die Zuschauer in die Zeiten der großen Schlagerstars, der prächtigen Fernsehshows und der rauchigen Jazzschuppen – die großen Namen sind Catarina Valente, Bully Buhlan und Bibi Johns, Kuli und Blacky, Miles Davis und … Erwin Lehn. Zu sehen ist das Special am Samstag, 26. März, ab 23.35 im SWR – Fernsehen. Die 90 Minuten – Doku ist der Auftakt für eine „Lange Nacht“ der SWR Big Band. Absolut sehenswert – und hörenswert sowieso.

 

Drehpause

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4 Gedanken zu “Die Kinothek swingt

    1. Mach ich mich da nicht lächerlich, wenn ich den ganzen Film durch den Kinski verdächtige der Täter zu sein?

  1. SWR Orchester im Fernsehen ist ja gut und schön, aber ich will auch einen Wallace in so einem Kino sehen dürfen! *schnief* :‘-(

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