Hermanns Heimat

Hesse zum Mitnehmen

Hermann Hesse hatte immer ein merkwürdiges Verhältnis zu seiner Geburtststadt Calw.  Die ersten vier Jahre lebt er in der Kleinstadt an der Nagold im Nordschwarzwald, kehrt später mehrfach zurück, besucht die Lateinschule, bevor der Missionars-Sohn wieder weiterzieht, immer weiter.

Fachwerk in Calw

Calw ist auch damals eng, vom Pietismus geprägt, die Hesses sind eher Außenseiter. Dennoch verklärt Hermann Hesse die Stadt an der Nagold zur „schönsten Stadt zwischen Bremen und Neapel, zwischen Wien und Singapore“.  Die Calwer Kindheit und Jugend tauchen in einigen seiner  Werke wieder auf. „Denn alle diese Bilder und hundert andre, haben einst dem Knaben als Urbilder Hilfe geleistet, und nicht irgendeinem Begriff von ‚Vaterland’, sondern eben diesen Bildern bin ich zeitlebens treu und dankbar geblieben; sie haben mich und mein Weltbild formen helfen, und sie leuchten mir heute noch inniger und schöner als je in der Jugendzeit“, schreibt Hesse später im Vorwort zu „Gerbersau“. 

Am Marktplatz

Wenn man sich überlegt, dass ein weltberühmter Schriftsteller und Nobelpreisträger aus einem solch kleinen Nest kommt, ist es doch verwunderlich, dass Calw so wenig aus dem großen Sohn macht. Calw ist halt ein Beamtenstädtchen. Das Museum,mit der angeblich weltweit größten Sammlung an Hesse – Devotionalien, hat nur drei Stunden geöffnet, auch sonntags, wenn man auf dem Marktplatz schon mal italienisch, spanisch oder janpanisch hört. Hesse hat weltweit Verehrer, vor allem in Asien. Geschäftstüchtig ist allenfalls das Modehaus in Hesses Geburtshaus am Marktplatz 6. Dort gibt es tatsächlich sehr ansprechende, legere Leinen-Mode, die Hesse sicherlich gut gestanden hätte. Und – als ganz besonderers Souvenir – einen handgeschnitzen und handbemalten Herrman wie man ihn kennt, im leichten Anzug  und mit dem für ihn typischen Hut. Gefertigt aus „Bergholz“. Hermann Hesse, etwa 15 Zentimeter groß – das Stück à 120 Euro.
 
Immerhin leistet sich Calw einmal im Jahr ein Rock ´n Roll – Festival. Udo Lindenberg, der bekennende Hesse -Verehrer, ist hier schon mit dem Panikorchester aufgetreten, den Blick von der Bühne auf die Fenster gerichtet, hinter denen Hermann auf die Welt kam. Und natürlich auch – „Steppenwolf“.
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6 Gedanken zu “Hermanns Heimat

  1. Vielleicht weil es man bei uns in der Regel Hesse-Anhänger nur in jungen Jahren ist?

    In Esslingen hat er es ja nur 3 Tage ausgehalten und seine Buchhändlerlehre sofort wieder abgebrochen.

  2. *thumbs up*
    Sehr schöner Artikel! Und so einen Schnitzhesse hätte ich auch gerne. Aber nicht für 120 Piepen :‘-(

      1. Ich muss gestehen, da musste nun mein Freund Guckl aushelfen. Und der sagt:
        Schriftdeutsch: Mensch mit Haltungsschaden
        Südbadisch: Schnitzbuckel

        Nun, wie auch immer. Gibts den Schnitzbuckel billiger? Dann denk ich nochmal drüber nach …

          1. Da sieht mans mal wieder. Und wenn sie ihn um 120.- Flocken verhöckern würden, würden sich die japanischen Touristen drum reißen. Wettma?

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