Der Rock`n`Roller in uns

Seit 21 Jahren gibt es im „Wilden Süden“ (ja, so heißt der Landstrich selbstironisch nicht erst seit Stuttgart 21) jeden Herbst ein merkwürdiges Spektakel, das nur wenige unberührt lässt. Ich kenne Leute, die hören fast rund um die Uhr Radio, organisieren Parties und lassen es richtig krachen, so wie in der guten Dampfradio-Zeit. Eine Woche Ausnahmezustand – und am Ende gewinnt immer Led Zeppelin mit „Stairway to heaven“. So ist das nunmal, es ist Hitparade. Das ist Kult im Südwesten, beim Finale am Freitag waren 6 000 Menschen in der Schleyer-Halle, nur um die TOP 15 zu hören und eine Party zu feiern.

Warum die Zuhörer jedes Jahr nochmal abstimmen müssen, ist eigentlich ein Rätsel. Denn es liegen immer die üblichen Verdächtigen auf den Top-Platzierungen: Led Zeppelin, dann Queen mit „Bohemian Rhapsody“, gefolgt von Deep Purple, Dire Straits und Pink Floyd. In all den Jahren gab es nur zwei Ausreisser: einmal, als die Hörer des Jugendradios DT 64 aus Ost-Berlin zusammen mit den Schwaben abstimmen durften und Sinead O`Conner zur gemeinsamen Nummer 1 kürten. Und einmal, als nach Männlein und Weiblein getrennt abstimmt wurde. Da siegte bei den Frauen Bryan Adams mit „Summer of 69“.

Die eigentliche Qualität in den Charts machen aber  nicht die Top 20 aus. Es sind die Juwelen der Musik-Geschichte, die rund um die Uhr aus dem Radio trällern. Pop-Klassiker, die in den Zeiten des eher banalen, beliebigen und deshalb auch nervigen Formatradio-Gedudels mit eingestreuter Comedy kaum noch einen Platz haben. Wann habt Ihr (und wenn ja, auf welcher Welle ?) zuletzt Iron Butterfly gehört ? Wann  Birth Control mit „Gamma Ray“ ? Wann „White bird“ von It`s a beautiful day ? Wann Ten Years After ? Wann Rory Gallagher ? Wann Wishbone Ash ? Wann „April“ von Deep Purple in voller Pracht und Länge ? 

Die wilden Zeiten im „Wilden Süden“ – Tja, das war noch was. Damals, als wir alle noch Rock`n`Roller waren.  Damals, als ich mit 15 mein erstes Konzert besuchte (es war übrigens „Beggar`s Opera“ aus Schottland mit dem fabulösen Frontmann Martin Griffith , dann folgten schnell „Nektar“ und „Golden Earring“). Hach… war auch schön, gell !

Advertisements

6 Gedanken zu “Der Rock`n`Roller in uns

  1. hach, 22 Jahre schon? Ich weiss es noch wie heute, wir waren zum Ende der Hitparade in Frankreich und eine Freundin rief mehrmals zuhause an, um den Spitzenreiter zu erfahren. Und immer war nur der Vater da, der sich dafür nicht interessierte und der wieder vergessen hatte, seine Söhne zu fragen…

    Ich glaube Stairways ist eh gesetzt, das wird gar nicht mehr abgestimmt.

      1. Und das in der passenden Länge von 17:03 Minuten. Das Drummer-Solo konnte seinerzeit fast jeder auf dem Tisch mitklopfen (mehr oder weniger, zumindest). Die Live-Version ist fast 19 Minuten lang.

  2. „Wann habt Ihr (und wenn ja, auf welcher Welle ?) zuletzt Iron Butterfly gehört ? Wann Birth Control mit “Gamma Ray” ? Wann “White bird” von It`s a beautiful day ? Wann Ten Years After ? Wann Rory Gallagher ? Wann Wishbone Ash ? Wann “April” von Deep Purple in voller Pracht und Länge ?“

    Öhm. Ich bin raus.

  3. Ich erinnere mich an ein Konzert von Deep Purple im Fußballstadion von Aachen (wo ich damals studierte) mit abschließender Gitarrenvernichtung. Aber wir hörten damals auch so schräges deutsches Undergroundzeugs wie Guru Guru und Limbus (steht im Plattenkasten ziemlich direkt neben Iron Butterfly und etlichen Free-Jazz-Platten).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s