Der Stundensammler

Ich kenne Menschen, die Sammeln Schuhe, Uhren oder Panini-Bildchen. Ich kenne auch Leute, die sammeln zum Beispiel Bonus-Meilen. Und Frederick, die bezaubernde Maus von Leo Lionni, sammelt Farben, Sonnenstrahlen und Wörter. Was hab ich nur angestellt, dass ich zum Stundensammler geworden bin? Warum diese Strafe? Warum ausgerechnet immer ich ?

Der Reihe nach:

Endstation Vaihingen/Enz

Vor zweieinhalb Wochen auf der Rückfahrt von Köln nach Stuttgart. Der ICE kommt 40 Minuten zu spät in Frankfurt-Flughafen an. Prima, dann schafft man es noch elegant auf den Anschluß-ICE, der zwar laut Fahrplan schon längst weg sein sollte, aber auch seit 60 Minuten überfällig ist. Die Weiterfahrt wird erstmals gebremst bei Hockenheim, das Stellwerk ist defekt. In der Metropole Vaihingen/Enz endet dieser ICE außerplanmäßig. Mit einem Regionalexpress und 90 Minuten Verspätung endlich in Stuggi.

Eine Woche später – Rückfahrt von München. Der ICE parkt in der nächsten Metropole, diesmal Geislingen/Steige, Ursache: nicht näher bekannt. Mit 80 Minuten Verspätung aber immerhin im ICE endlich in Stuggi. Lust auf einen Kaffee im Zug hatte ich eh nicht, die Kaffeemaschine war sowieso defekt.

Heute: Rückfahrt aus Mannheim, besser: Versuch einer Rückfahrt. Der ICE via Stuttgart nach München wird verspätet gemeldet, erst 20, dann 40 Minuten. Die Alternative via Karlsruhe nach Stuggi scheidet heute aus, der ICE Richtung Basel hat schon 50 Minuten Verspätung; die Variante mit dem IC via Heidelberg geht schon gar nicht – der Zug ist kurzerhand gestrichen. Immerhin nur 50 Minuten Verspätung bei der Ankunft in Stuggi.

Wenn ich richtig rechnen kann, macht das bei drei Fahrten drei Stunden vierzig Minuten. Nicht berechnet habe ich die Zeit, die ich zum Ausfüllen der Erstattungsformulare gebraucht habe.

Da freut es mich doch ungemein, wenn ich gerade folgende Meldung lesen darf:

„Grube im Sonderzug unterwegs – Bahnchef Grube will am 29. Oktober einen Tag lang mit einem Sonderzug der Schwarzwaldbahn reisen, teilte die Deutsche Bahn AG am Freitag in der Schwarzwaldgemeinde Triberg (Schwarzwald-Baar-Kreis) mit. Anlass ist der 125. Todestag des Schwarzwaldbahn-Erbauers Robert Gerwig (1820-1885). Mit an Bord habe Grube mehr als 350 Gäste aus Politik und Wirtschaft. Entlang der Strecke wird mehrmals Station gemacht.“

Diese Zwischenstopps sind geplant. Dem Bahnchef und seinen Gästen soll, wie man hört, ein kulturelles Programm geboten werden. Darauf werde ich zukünftig auch bestehen: der Männergesangverein „Frohsinn“ Vaihingen, die Trachtenkapelle Geislingen oder der Shantychor „Neckarmöwen“ aus Mannheim fehlen noch in meiner Sammlung.

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Ein Gedanke zu “Der Stundensammler

  1. Das wäre doch mal ne Maßnahme: Die Bahn versüßt ihren verärgerten Kunden das Warten auf Provinzbahnhöfen dadurch, daß sie Kultur-Notfalleinsatztruppen entsendet … Die dürfen dann nur nicht mit der Bahn anreisen.

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