Es war einmal ein Dorf

Auf dem Dorfplatz von Tenganan

Wenn in einem Reiseführer Dinge stehen wie „Auf Entdeckungstour – eine prähinduistische Enklave“, dann sollte man sich für diesen Tag vielleicht doch lieber was anderes vornehmen. Und wenn dann weiter zu lesen ist „Eine Zeitreise in eine vergangene Epoche. Die Bali Aga leben noch heute nach sozialen Regeln aus vorhinduistischer Zeit und pflegen uralte kunsthandwerkliche Traditionen“, dann wäre es an einem einsamen Strand oder irgendwo in den Bergen wahrscheinlich authentischer und ursprünglicher gewesen.

Aber nun gut, ich bin an einem frühen Morgen nach Tenganan gefahren, in jenes Dorf, in dem die Bali Aga leben, die sich als das Ur-Volk der indonesischen Insel betrachten. Die Bali Aga haben sich in einer Dorfgemeinschaft, umgeben von einer mächtigen Mauer, mehr oder weniger abgekapselt und ihr eigenes Leben geführt. Geheiratet wurde nur innerhalb der Dorfmauer, wer aus den Regeln ausscherte, wurde aus dem Dorfrat und der Gemeinschaft ausgeschlossen. Sie halten oder hielten sich für eine Gemeinschaft der Auserwählten, so nah und doch fernab von der sich hinduistisch weiterentwicklenden Rest-Gesellschaft von Bali.

Heute gibt Tenganan am frühen Morgen oder gegen Abend gerade noch die schöne Postkarte für eine gewesene, eigenartige Idylle ab. Der Tourismus ist in die Gemeinde geschwappt, die alten Handwerkstraditionen, das Ritzen von Motiven auf Palmenblätter und eine eigenständige Webtechnik, sind noch erhalten geblieben und werden in den kleinen Häuschen entlang des rechteckigen Dorfplatzes demonstriert und vermarktet.
Das ist auch in Ordnung so – nur verstehe ich immer noch nicht, warum an sich gut geschriebene und gut recherchierte Reiseführer Dinge vorgaukeln, die es so nicht (mehr) gibt. Ein kompetenter Reiseführer (wie aus dem Dumont-Verlag) soll mir eine Alltagshilfe bei der Entdeckung eines fremden Landes sein und kein Verlautbarungssorgan der Tourismusbehörde.

Immerhin habe ich ein kleines Stück des heutigen Tenganan dann doch erleben dürfen, am Rande des Dorfes, zwischen Schulhaus und der wilden Müllkippe im Dschungel. Die Fußballpartie mit den Jungs der Grundschule ging eindeutig an mich. Die europäische Vollspann-Schußtechnik hat sich noch nicht bis Tenganan herumgesprochen.

Früh am Morgen - ohne Touristen

Advertisements

Ein Gedanke zu “Es war einmal ein Dorf

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s