Die Sau ist tot!

Gestern habe ich am helllichten Tag eine SMS aus Österreich bekommen, die mich in große Verwirrung gestürzt hat: „Die Sau ist tot“ war auf meinem Handy zu lesen, sonst nichts. Es hat lange gebraucht und einige weitere SMSen, bis ich endlich im Bilde war. Hans Dichand, der Herausgeber der „Krone“, des obermiesen österreichischen Boulevardblattes, ist gestorben. Er war mit der „Sau“ gemeint.

Schluck ! Ich war irritiert. Hätte ich jemals so was schreiben können?  Ich mit meiner kleinbürgerlich-katholischen Vita, obwohl ich doch längst aus der Kirche ausgetreten bin ? Ich, der ich wenigstens im Tode dann doch nachsichtig sein kann ?

Ich hab mich am Abend noch durch die Homepage des ORF geklickt. Und bin dabei fast in Ohnmacht gefallen über so viel Verlogenheit, Demut und Unterwürfigkeit. Was die Damen und Herren aus der österreichischen Politik an Nachrufen abgesondert haben, wirft ein bezeichnendes Licht auf das Selbstbewußtsein dieser Kaste und die wirkliche Macht des steinalten Verlegers. Nur die Grünen trauten sich, auf Distanz zu gehen.

Ich muß ja nicht täglich unter dem ausländer- und minderheitenfeindlichen Geschmiere dieses Blattes leiden, muß es auch nicht ertragen, wenn jeder zweite um mich rum mit dem Kampfblatt für Blut, Boden und Ordnung zu sehen ist, dass die meisten Politiker einem Mann und seinem System bis zum Anschlag in den Hintern kriechen.

Dichand hat gerne mit der böhmischen Herkunft seiner Mutter kokettiert, quasi als Nachweis für sein angeblich liberales Weltverständnis. Aber: Dichand war gefährlicher als Axel Springer, weil er sich nicht damit begnügte, Politik zu beeinflussen. Er machte die Politiker zu Marionetten – und genoß das ganz offensichtlich. Und: er schürte bei den Österreichern dieses fürchterliche Gefühl eines patriotischen Anstands, der für Ausländer, Minderheiten und Andersdenkende keinen Platz in der Republik lassen konnte.

„Die Sau ist tot“. Diese SMS hat mich sehr beschäftigt. Darf man so was schreiben ?Ja, man darf, weil es aufrichtig gemeint ist , im Wissen um all das, was Dichand in Österreich kaputt gemacht hat !

NACHTRAG:

In der „Runde der Chefredakteure“ in ORF 2 heute (Sonntag) hat die Debatte über die mediale Allmacht von Dichand eine ganz interessante Variante bekommen. These: Die österreichischen Politiker haben es nicht geschafft, Dichand Paroli zu bieten. Als ihre Plattform  haben sie sich den ORF zum Vasallen gemacht. ORF-Chefredakteur Elmar Oberhauser als Diskussionsleiter hat dieser These übrigens nicht widersprochen. 

Und: „Im übrigen bin ich der Meinung, der Mediamil-Komplex muss zerschlagen werden“. Mit diesem Satz endet jede Kolumne des geschätzten Chefredakteurs des FALTER, Armin Turnher.

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5 Gedanken zu “Die Sau ist tot!

  1. War der korrekte Wortlaut nicht „die Sau ist hin“? Wie auch immer – jemandem gegenüber plötzlich eine andere Meinung zu hegen, bloß weil er tot ist, war noch nie mein Ding. Dichant zählte für mich immer zum best of evil Österreichs & die Freude, die ich über sein Ableben empfunden habe, werde ich nicht hinter vorgeschobener Pietät verheimlichen. Nix da – ein lautes „NA ENDLICH!“ ist mir aus tiefster Seele entsprungen – und dafür nehme ich nun meinerseits auch gerne ein paar Jahre Fegefeuer und den einen oder anderen Karmasack in Kauf.

  2. Wenn es einen lieben Gott geben würde…könnte man ja zumindest hoffen, dass Hans Dichand in seinem Fegefeuer in allerfeinster Gesellschaft bruzzeln wird.

  3. Die Vita teilen wir dann. Trotzdem konnte ich mich noch nie damit abfinden, dass man einem, der viel Mieses getan hat, alles mal schnell nach dessen Ableben verzeiht. Dafür ist dann doch der liebe Gott da…

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