WMusik (4):Koreas Morgensonne

Wer das Pech hat, in Nordkorea auf die Welt zu kommen, der ist wirklich nicht zu beneiden. Er wird irgendwann wie eine Marionette funktionieren müssen, sonst ist seine Lebenserwatung noch geringer als die der Durchschnittsbevölkerung.

Aber wir wollen hier nicht politisieren und uns fragen, wie ein schizophrener Diktator und sein Hoofstaat ein ganzes Volk in die Isolation oder den Hungertod treiben kann, sondern uns mit Fußball beschäftigen. Und mit der nordkoreanischen Nationalhymne, die ich nach meiner Erinnerung noch nie bewußt gehört habe. Sie heißt „Lass die Morgensonne scheinen“. So klingt die Instrumentalversion:

Nordkorea belegt in der FIFA – Statistik  Platz 105, knapp hinter dem Kongo und Jordanien, aber noch vor Thailand und Ruanda. Aber: die Nationalmannschaft hat sich qualifiert und spielt heute ihre erste Partie bei der WM in Südafrika. Es ist erstaunlich, dass in diesem Land überhaupt Fußball gespielt wird (werden kann) und noch erstaunlicher, das etwa die nordkoreanischen Frauen im Nachwuchsbereich sogar schon Weltmeisterinnen werden konnten.

Davon sind die Männer weit entfernt, auch wenn der Verbandspräsident den Titel als Ziel ausgegeben und auch gleich das entsprechende Dopingmittel bekannt gegeben hat: „dank der großartigen Unterstützung unseres geliebten Führers Kim Jong-II.“

Nordkorea ist ein Fußball- Land, in dem man vor lauter KIMs den Ball nicht sieht. Die Fußballmannschaft war schon einmal in den sportlichen Schlagzeilen: 1966 bei der WM in England. Erst putzen sie die arroganten Azzuri mit 1:0 (die italienische Nationalmannschaft wurde daheim mit faulem Obst empfangen), dann führen sie im Viertelfinale 3:0 gegen Portugal – um am Ende noch  3:5 zu verlieren. Gegen Eusébio hat nicht mal Kim Jong-Il ein Mittel im Köcher. Der Portugiese macht vier Tore.

Jetzt spielen beide wieder in einer Gruppe, die Nordkoreaner haben Rache geschworen. Und wenn das wider Erwarten klappen sollte, werden alle singen:

„Lasst uns ewig dieses Korea preisen,
unbegrenzt reich und stark“.

Und Kim Jong-Il wird das sogar glauben, wenn er denn überhaupt noch lebt.

Advertisements

2 Gedanken zu “WMusik (4):Koreas Morgensonne

  1. Was mich bei diesem Spiel am Meisten beschäftigt hat, war der eine weinende koreanische Spieler beim Abspielen der Nationalhymne. War er stolz auf sein Land und sich oder weinte er um die Zurückgebliebenen?

    1. Ich hab irgendwo gelesen, die Tränen von Tae-Se Jong haben mit seiner eigenen Geschichte zu tun. Sein Vater kommt aus Nordkorea, seine Mutter aus dem Süden, er selbst ist in Japan aufgewachsen, lebt auch da und spielt Fußball. Er hat nie wirklich in Nordkorea gelebt, kickt aber für die Nationalmannschaft. Das erklärt es vielleicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s