Marianne für Österreich

Ich habe es vor einiger Zeit doch tatsächlich geschafft, eine sehr geschätzte  Wienerin zu verblüffen. Ganz einfach, indem ich zwar nicht ganz mit der gewünschten Dialektfärbung und stimmlich etwas wackelig, aber ziemlich textsicher die anrührenden Zeilen aus Marianne Mendts „Wie a Glockn“ vorgeschmettert habe. Auch „Lieder sind wie Pistolen“ war mir durchaus geläufig. Das war nun wirklich kein plumpes Imponiergehabe, sondern echte Überzeugung. Marianne Mendt ist voll cool !

Blenden wir zurück.

Es ist der 3. April 1971. Das Gaiety Theater in Dublin. Bernadette Ni Ghallchoir moderiert den 16. European Song Contest. Es siegt eine gewisse Severine, eine Französin, die für Monaco an den Start geht. Knapp hinter Belgien und Jugoslawien, aber noch vor Norwegen und Malta landet Österreich auf Platz 16. War es Schiebung, oder konnten die 18 teilnehmenden Länder noch nicht mit der neuen Punktewertung umgehen ? Marianne Mendt auf Rang 16 mit dem wunderbaren Titel „Musik“. Unfassbar! Es ist eine Vorwegnahme dessen, was wir später bei den Song Contests noch erleben werden.

Warum erzähl ich das ? Am Wochenende ist Marianne Mendt, die große Sängerin, Entertainerin und Schauspielerin, im Wiener Volkstheater aufgetreten. Ziemlich zeitgleich mit dem Auftritt von Lena in Oslo. Genau 40 Jahre nachdem sie mit „Wie a Glockn“ schlagartig berühmt wurde. Ach, da wär ich gern dabei gewesen. Marianne Mendt ist voll cool!

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7 Gedanken zu “Marianne für Österreich

  1. Herrlich! Ich gestehe, weder das Video noch das Lied kannte ich. Na gut, da war ich auch noch garnicht auf der Welt. Und mit Marianne Mendt verband ich zeitlebens mehr eine verlebte, etwas aufgeschwemmte Frau mit breitesten Proll-Dialekt. Es gibt halt 2 Sorten Wienerisch – der eine ist das gepflegte alte Wienerisch, dass man nur mehr in Filmen der Wirtschaftswunderkinojahre hört. Ein mMn wirklich schöner Dialekt. Das andere ist jenes „Heast, Oida!“ Wienerisch der Mendt, das als einziges überlebt zu haben scheint und mit dem ich wenig gute Assoziationen habe.
    Aber auch, wenn ich ihre Sprache nicht mag, singen kann sie wie eine 1, die Mendt!

    Danke für den köstlichen Rückblick gepflegter Eurovisions Kultur 🙂

    1. Marianne hab ich schlaflose Nächte zu verdanken ! Echt !

      Und Du als Nachgeborene kennst sie wahrscheinlich vor allem aus der TV – Serie „Kaisermühlen-Blues“ als etwas derbe Trafikantin.

  2. „Bernadette Ni Ghallchoir moderiert den 16. European Song Contest“. Sicher? Das war doch sicher noch der „Grand Prix d’Eurovision“. Da wurde wohl noch in der Sprache des jeweiligen Heimatlandes gesungen und die Komponisten und Chanson-Texter stammten wohl auch noch aus dem jeweiligen Land. Heute ist das „international“ gleichgeschaltet, gesungen wird bis auf wenige Ausnahmen in Englisch und es ist eigentlich vollkommen egal, wo die Songs und ihre Interpreten herkommen. Dass es da Punkte für Frankreich oder Deutschland gibt, finde ich sehr eigenartig.

    1. Vilmos,
      ich bin ein großer Fan des „Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne“, spricht sich einfach lässig. Aber seit 1960 ist auch die englische Version gebräuchlich, und deshalb firmierte Dublin auch unter European Song Contest.

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