Die Heuchler vom Lerchenberg

Das „Lumpenpack“ (Schönen Dank für diese Vorlage, Herr Kraska…) hat also gesiegt, die CDU/CSU – Mafia rund um den hessischen Ministerpräsident Roland Koch hat den ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender abgeschossen. Das ist zu beklagen. Nicht weil man den wackeren Brender zu einer Ikone hochstilisieren müßte, sondern weil die Politik in diesem Falle das öffentlich und ungeniert durchgezogen hat, was sie sonst lieber in den Hinterzimmern, in den sogenannten Freundeskreisen, diskret ausschnapst.

Nicht viel besser ist der nächste aus der Politiker-Riege: Kurt Beck (da war doch mal was!), der Ministerpräsident von Rheinland – Pfalz und Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrates. Erst vergießt er heftige Krokodilstränen und schwadroniert über die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – und jetzt wird er höchstpersönlich dafür sorgen, dass sich absolut nichts ändern wird. Wozu auch, er wird doch nicht ohne Not seinen Einfluss auf das ZDF herschenken  – sonst könnte es ja  mal eine wirklich kritische Berichterstattung über seine Rolle in der millionenschweren Affäre um den Nürburgring geben.

Beck also hält nichts von einem Normenkontrollverfahren um die Rolle des Verwaltungsrates beim Abschuss von Brender durchleuchten zu lassen. „Dann würden wir ja gegen uns selbst klagen“, sagte er zur Begründung. Genau, Herr Beck, da liegt der Hase im Pfeffer. Es macht sich nach außen doch viel schicker, eine Initiative der SPD- Bundesländer anzukündigen, wissend, dass eine solche Initiative gegen die Mehrheit der schwarzen Länder sowieso keine Chance hat. Der schwarze Peter bleibt bei den Schwarzen – und Kurt Beck bleibt feist im Sessel des Verwaltungsrats-Vorsitzenden sitzen. Welch eine Heuchelei, fast so schlimm wie der öffentliche Auftritt von Roland Koch, nachdem er Brender endlich erlegt hatte.

Die Grünen wollen nun ein Kontrollverfahren auf den Weg bringen – dazu brauchts ein Drittel der Abgeordneten im Bundestag. Die Unterstützung der Linken dürfte sicher sein. Was fehlt,  ist die Unterstützung einiger SPD-Abgeordneter, denen die Rundfunkfreiheit wirklich ein wichtiges Gut ist. Aber da wird Beck schon ein waches Auge drauf haben.

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3 Comments

  1. „Dann würden wir ja gegen uns selber klagen“! Ja, in der Tat: Die beschämend selbsternierdrigende Einsicht von Dorfricher Adam aus eem „Zerbrochenen Krug“! Ach, Heinrich, wenn Du wüßtest…

  2. Es ist – unabhängig von der Sache selbst – schon eine Unverfrorenheit, wie offensichtlich das Lumpenpack vorgegangen ist. Das hat der ganzen Nummer aber immerhin eine breite Medienpräsenz beschert. Ob die Welt daraus lernt und die Konsequenzen zieht? Wünschenswert, bleibt aber wie immer und leider abzuwarten. Im Zweifel, da gebe ich Dir Recht: Nö. Schade drum. Kurt Beck, habe ich läuten hören von welchen, die’s wissen müssen, soll sich auch im normalen journalistischen Tagesgeschäft nicht gerade zurück- geschweige denn heraushalten.

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