Psssst… No Music Day !

Heute ist Samstag, der 21. November. Das ist der Gedenktag „Unser Lieben Frau in Jerusalem“, heute ist auch der Welttag des Fernsehens. Heute ist Namenstag von Johannes, Amalia und Rufus, der Geburtstag von René Margritte, von Kiez-Urgestein Conny Littmann und von Papst  Benedikt XV , heute ist  der Todestag von Kaiser Franz Josef I von Österreich. An einem 21. November wurde der Film Frankenstein uraufgeführt, der ägyptisch-hethitische Friedensvertrag geschlossen und der RIAS in Berlin geründet. Heute ist der 325. Tag des Jahres – und heute ist „NO MUSIC DAY“.

Die europäische Kulturhauptstadt Linz 09 hat ohnehin ein ganz spezielles Verhältnis zum Hören. Linz ist dieses Jahr Hörstadt, hier wurde die Charta zur Akustik unterzeichnet. Heute wird also in Linz der Tag gefeiert, an dem keine Musik erklingen soll, nicht im Supermarkt, nicht im Café, nicht  daheim in der Badewanne – nirgends. Keine Rockkonzerte, keine Disco, kein Radiogedudel. Der Musiker Bill Drummond ist der Initiator dieser Aktion, die ein Ziel hat: in der Stille dieses Tages den wahren Wert der Musik wiederentdecken.

Morgen übrigens ist der Namenstag der Heiligen Cäcilia, der Schutzpatronin der Musik. Und da werden wir dann die Musik mit ganz anderen Ohren hören.

Ich mach heute den Selbstversuch: gehts überhaupt ohne, wie reagiere ich auf Musik, wenn ich ganz besonders darauf achte, wie empfinde ich Stille oder die bloße Abwesenheit von Musik ?Ich werde berichten…

Gewöhnlich beginnen meine Tage so: Radio an, Kaffeemaschine an, Dusche. Das Radio plärrt, viele  Kurznachrichten und  die größten Hits aller Zeiten. Nun gut, heute kein Problem: der Samstag ist meist ein nachrichtenarmer Tag, ich werde nichts verpassen.

Aber ich höre die Geräusche aus dem Treppenhaus heute deutlicher als sonst. Das muß Frau Aldinger sein, die zum Einkaufen geht, und dann die alte Frau Rehm, die sich die Treppe runter zum Briefkasten quält, die Zeitung holen.

Zum ersten Mal bewusst mit  Musik  „in Berührung“ komme ich auf dem Weg zum Wochenmarkt: die Heilsarmee preist in der Fußgängerzone den Herrn. Im „Chicco“, meinem Stammcafé, wird Salsa und Bossa Nova gespielt, sehr dezent im Hintergrund, durchaus angenehme Untermalung der Zeitungslektüre.

In der Straßenbahn: heute mal kein Bassgewummer, die jungen Leute mit ihrem KnopfimOhr sind noch nicht unterwegs. Flohmarkt Karlsplatz: Menschengewimmel, aber keine Musik – nur beim  CD-Händler. Es läuft „The Sweet“, „Ballroom Blitz“, na ja – wäre nicht nötig gewesen. Wieder daheim: Mein Untermieter räumt auf, der Staubsauger übertönt die albanische Musik, die er meistens hört.

So: jetzt kommts ganz dick: Fußballstadion. Ich geh extra etwas später, höre von fern „You`ll never walk alone“, die sentimentale Hymne der Liverpooler Fans, die auch beim VfB vor jedem Spiel gesungen wird. Dann zehn Minuten ein Jingle- und Musikgewitter im Stadion: Robbie Wiliams, die VfB- Hymne, die Fanfare zum Einmarsch der Mannschaften.

Ungewöhnlich: Stille im Stadion, 40 000 schweigen, eine Minute lang, im Gedenken an Robert Enke. Bemerkenswert, passend zu diesem Tag, kollektives Innehalten, wenn auch nur 60 Sekunden. Die Gesänge der VfB Fans würde ich nur bei sehr großzügiger Auslegung als Musik bezeichnen. Die Toten Hosen schicken die Zuschauer nach einem schrecklichen Spielk mit einem „Steh auf, wenn du am Boden bist“ nah Hause.

Wieder daheim: keine CD, kein Radio, Badewanne mit Kerzenlicht, ein Geschenk einpacken, nebenbei der bemerkenswerte Film  „Die halbe Wahrheit“ von Hans Steinbichler. Es geht um sieben Geschwister, die Heimat, die Eltern. Starke Statements, starke Bilder – starke Musik als sparsames dosiertes dramturgisches Mittel.

Der No Music Day ist noch nicht ganz rum – es fehlt mir nichts. Lakritze hat kommentiert, sie lege „erschreckend oft“ solche Tage ein. Warum eigentlich erschreckend oft ? Ich hatte das Gefühl, ich bin heute mehr bei mir, die ungewohnte Stille  kann ich gut aushalten.

Und heute früh, am Tag der Heiligen Cäcilie, werde ich das Frühstück ganz anders genießen. Mit Musik von Till Brönner, oder Annie Lennox… oder vielleicht … 

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5 Comments

  1. Lieber wär mir eigentlich der Tag ohne Verkehrs- und Baulärm. ^^ Im musikalischen Bereich müssten wir dann nur mehr auf die Filmmusik von the rubberman und auf die einstürzenden Neubauten verzichten.

    1. Dann müsstest Du aber auch auf „Bodo mit dem Bagger“ verzichten…

      Gibt es übrigens:

      * der 29. April ist der „International Noise Awareness Day“, großzügig unterstützt unter anderem vom „Hörzentrum Böhler“.

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