Gedenken auf italienisch (2)

Faschistischer Größenwahn: Redipuglia in Friaul

Faschistischer Größenwahn: Redipuglia in Friaul

Zwischen Medea und Redipuglia in Friaul liegen nur einige Kilometer – und doch trennen diese beiden Orte Welten. Beides sind Orte, an denen der Toten des Krieges gedacht wird. In Medea ergreifend schlicht, in Redipuglia mit dem Pomp der italienischen Faschisten.

In Redipuglia wird die häufig zu beobachtende Heldenverehrung der Italiener für die Opfer des großen Krieges, des „grande guerra“, vollends pervertiert – eine Heldentreppe von der Durchgangstraße bis zum Gipfel des Monte Sei Busi  in 22 Stufen, die sich einhundert Meter in die Höhe ziehen. Hier liegen über 100 000 Tote der Schlachten des ersten Weltkrieges – vom Soldaten Abate bis zum Soldaten Zuzzi. Die Inschrift „Presente“ ist dem militärischen Sprachgebrauch entnommen und entspricht einem „Hier !“ bei der Truppenparade.

Ursprünglich waren die Toten gegenüber, am Colle San Elia, und auf den umliegenden Hügeln bestattet. Das war Mussolini und seinen Spießgesellen aber zu banal. Der Architekt Giovanni Greppi plante auf Geheiß des Duce diese monumentale Szenerie wie einen Altar, der in seinen Ausmaßen Verdun und alles bisher Dagewesene übertreffen sollte. Mussolini ließ es sich natürlich nicht nehmen, bei der Einweihung am 18. September 1938 dabei zu sein. Von den 100 187 bestatteten Opfern waren nur etwa 40 000 namentlich bekannt – sie alle sind mit Namen, Dienstgrad und Todestag alphabetisch aufgelistet. Die  unbekannten Soldaten sind in der obersten Treppe in Massengräbern bestattet.

Zu Fuß des Altars liegt prunkvoll der Sarkophag von Emanuel Philibert von Savoyen, Herzog von Aosta, im ersten Weltkrieg General der dritten italienischen Armee. Der bekennende Faschist starb 1931 in Turin, lange nach den Soldaten, die auch er in den sinnlosen Stellungskrieg getrieben hatte. Er wolle inmitten der Helden seiner dritten Armee begraben werden , hatte er angeblich auf dem Totenbett gesagt. Mussolini konnte das nur Recht sein – damit war die Glorifizierung des „grande guerra“ nach außen hin perfekt. Ein Spötter hatte damals erklärt, der General habe sich nur deshalb in Redipuglia bestatten lassen, weil er so viele Tote auf dem Gewissen hatte. Das brachte ihm eine Verhandlung vor einem faschistischen Sondergericht ein. 

"Heiligtum der Hunderttausend"

"Heiligtum der Hunderttausend"

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Ein Gedanke zu “Gedenken auf italienisch (2)

  1. Ich stelle mir bei diesen Heldengräbern immer vor, was sich die Macher dieser Ungetüme anhören könnten, wenn die armen viel zu früh Verstorbenen sich aus ihren prunkvollen Gräbern erheben könnten…

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