Sankt Hanappi unter Strom

Der Ruhm von 110 Jahren
Der Ruhm von 110 Jahren

Es gibt Dinge,die gehen eigentlich überhaupt nicht zusammen. Zum Beispiel: Moral und Hedgefonds.Oder: BILD und Ehrlichkeit. Oder: Profifußball und Österreich. Jawoll, selbst wenn unsere alpenländischen Nachbarn immer noch glauben, das „Wunder von Cordoba“ sei tatsächlich geschehen und nicht nur eine in den Fernsehstudios von München-Unterföhring kunstvoll inszenierte Kömödie mit dem großartigen Reporter-Darsteller Edi Finger (“ Tor ! Tor! Tor ! – I werd narrisch“)gewesen. Wir haben unsere Nachbarn so lange in dem Glauben gelassen, bis sie im Qualifikationsspiel gegen die Faroer-Inseln ziemlich knapp gescheitert sind.

Jetzt habe ich das Wochenende in Wien zu zwei Ungeheuerlichkeiten genutzt. Erstens habe ich das Spitzenspiel der östereichischen Bundesliga besucht. Und zweitens – vielleicht noch dreister – eine bekennende Fußball-Verächterin zum Besuch desselbigen animiert (Nein,Nein – der Besuch im Burgtheater am Abend davor war kein billiges Lockmittel! Das muß ich doch ganz eindringlich zurückweisen…).

Spitzenfußball in Austria – das heißt Rapid Wien gegen Red Bull Salzburg. Der glorreiche Sportclub Rapid, 1898 als „1. Wiener Arbeiter Sportclub“ gegründet, die legendären Grün-Weißen aus Hüttelddorf, der Club von Ernst Happel, Michel Konsel, Andi Herzog, Antonin Panenka und Hans Krankl. Der Club auch mit den meisten Fußballfans in Österreich, darunter die berüchtigten „Ultras Rapid 1988 !“, denen immer wieder enge Konkate zur rechtsradikalen Szene nachgesagt werden. Andererseits: die grün-weißen Fans im „Sankt Hanappi“ gelten europaweit als  die treuesten Schlachtenbummler überhaupt. Die Fans im stets ausverkauften „Block West“ zaubern zu jedem Spiel eine Choreo auf die Tribüne – und im Wechsel mit den Fans auf der Osttribüne sorgen sie immer 15 Minuten vor Spielschluß für ein Heidenspektakel, das als „Rapidviertelstunde“ frenetisch eingeklatscht wird. Es erinnert an das Spiel gegen den Wiener AC im Jahr 1921, als Rapid aussichtlos mit 1:5 Toren zurücklag und noch mit 7:5 gewinnen konnte. Alle sieben Tore schoß damals Josef Uridil. Gänsehaut damals … wie heute, ausgerechnet bei meiner Begleiterin !

Jetzt also der traditionsreiche Sportclub Rapid gegen die Millionarios von Dietrich Mateschitz. Geld schießt halt auch Tore – ist sein Slogan. Seit er den FC Salzburg mit einigen Millionen gekauft hat, gehen große Trainer wie Giovanni Trapattoni oder jetzt Huub Stevens aus und ein, alternde Kicker aus der deutschen Bundesliga verdienen dort als Fußballruheständler ihre Kröten. Red Bull Salzburg ist unter österreichischen Fußballfans und darüber hinaus ein Verein ohne Ehre. Leider aber einer mit Erfolgen, zumindest in Österreich.

Das Spiel der Spiele am Sonntag. Sankt Hanappi restlos ausverkauft, beste Stimmung, keine Spur von Randale und Gewalttätigkeit. Die Rapidler, die loslegen wie die Feuerwehr, zaubern, dass den Ex-Heroen Hans Krankl und Toni Polster auf der Tribüne die Augen übergehen – und zur Halbzeit doch durch zwei kaltschnäuzige Konter 0:2 in Rückstand liegen. Und wie gewohnt: Rapid kehrt ins Spiel zurück, schafft am Ende ein verdientes Unentschieden und hätte in der vorletzten Minute fast noch den Siegestreffer erzielt. Aber – wie meinte  Rapid-Trainer Peter Pacult ganz unnachahmlich:““Wanns an Fußballgott gabat und der tatat zu uns obeschaun, dann hätt er den Stangerlschuß a no einekullern lossn“

Ich räume ein – es war ein sehr,sehr schöner Fußballmittag. Ordentlicher Sport, ganz hautnah, große Namen, die sich auf der Tribüne rumlümmeln, tolle Fans mit einem unglaublichen Enthusiasmus, eine köstliche Käsekrainer von der Wurtstheke – Fußballfreund, was darf es mehr sein ? Nun gut, eine Steigerung gibt es vielleicht noch…das Wiener Derby Rapid gegen Austria. Okay,okay – ich spendier am Vorabend zwei Karten für die Oper… 

Nach dem großen Spiel
Nach dem großen Spiel
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2 Comments

  1. Und weil mich der SAT 1 Moderator grad ein bisserl aufregt… Es sei hiermit allen nochmal ans Herz gelegt. Es heißt nicht RAP-ID, es heißt RA-PID.

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