Little Big City

100_1723„Danke für die liebe Aufmerksamkeit!“ sagt Barbara. Barbara ist die Stimme, die uns auf der „Kaiserin Elisabeth“ von Wien nach Bratislava begleitet – unsichtbar, aber unüberhörbar. Barbara macht Werbung für den Stadtrundgang, bei dem den Fahrgästen nach zweieinhalb Stunden Donaufahrt die jüngste Hauptstadt der EU näher gebracht werden soll. Barbara erzählt von den Sehenswürdigkeiten Bratislavas, aber auch darüber, dass die Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr stark gestiegen ist, dass Bratislava mit seinen acht Hochschulen eine junge Stadt geworden ist. „Jeder zehnte Würger der Slowakei lebt in der Hauptstadt“ , sagt Barbara – oder glauben wir zumindest zu verstehen. „Danke für die liebe Aufmerksamkeit!“, meint Barbara.

100_1737Wir machen den Stadtrundgang ohne Barbara, wobei uns schon interessiert hätte, wer sich hinter der freundlichen Stimme mit dem lustigen deutsch-balkanesischen Dialekt versteckt. Nicht weil uns die 2,50€ für den Stadtrundgang zu teuer wären, aber die erste Begegnung mit einer fremden Stadt sollte nicht im Touristen – Rudel statfinden. Wir wollen und werden Dinge in Bratsilava sehen, die in keiner Stadtführung vorgesehen sind. Bratislava an der Donau hat etwa 500 000 Einwohner,  eine überschaubare Altstadt unterhalb der Burg, Parlament, Opernhaus, Präsidentenpalais. Bratislava wirkt wie Esslingen oder Tübingen – nur dass auf dem gegenüberliegenden Donauufer Plattenbausiedlungen für zigtausende Menschen stehen.

100_1728Die erste Begegnung mit einer unbekannten Stadt findet am besten  … im Kaffehaus statt. Die andernorts hochgerühmten Torten im „Café Mayer“ erhalten  nur eine gnädige Beurteilung. Schon besser: die Einmannband am Michaelsturm, die kleinen Details an den fein restaurierten Bürgerhäusern. Und jetzt beginnt eine abenteuerliche Suche nach dem unteridischen jüdischen Friedhof von Bratislava. Die freundliche Dame an der Hotelrezeption schickt uns irgendwohin. Natürlich werden wir trotz Stadtplan den Friedhof nicht finden – an diesem schwülen Sonntag.

100_1749Dafür aber einen deutschen Friedhof, ziemlich versteckt unterhalb der Burg, einen oberirdischen jüdischen Friedhof, und dann „Chez David“, ein hübsches kleines jüdisches Restaurant mit flinker Küche und einem flinken Musiker an der klassichen Gitarre. Übrigens – den „unteridrischen Friedhof“ mit dem Denkmal für den Rabbiner Chatam Sofer sehen wir dann auch noch, aus der vorbeirumpelnden Straßenbahn. Aussteigen – heute lieber nicht! Uns tun die Beine weh, die Kraft reicht noch für einen Spaziergang am Boulevard vor der Oper.

100_1761Weiter rumpeln wir zum Bahnhof von Bratislava. Er ist neben Budapest der zweite Endhaltepunkt der Europäischen Hochgeschwinigkeitsmagistrale, die von Paris her kommt. Na ja, hier gibts schon noch was zu tun. Nicht im deftigen kulinarischen Angebot, aber drumrum. Andernorts werden entlang der Magistrale Milliarden verbuddelt – hier würden einige Milliönchen schon ausreichen.

Ach ja, Barbara haben wir wahrscheinlich auch getroffen auf unserem Bummel durch Bratislava. Irgendwo, mitten in der Stadt, als Führerin einer der Ausflugsgruppen, die jetzt schon wieder auf der Kaiserin Elisabeth Richtung Wien donauaufwärts schippert. „Danke für die liebe Aufmerksamkeit…“.

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1 Comment

  1. Jeder zehnte slowakische Würger lebt in Bratislava und jeder dritte Bratislaver ist Student. So ungefähr war das, nicht? Daraus schließen wir, dass jeder 3,33ste Student in Bratislava ein seltsames Studienfach belegen muss … oder so. ^^
    Barbara war der Hit!

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