Tatort Weissenburgpark

100_1929Tonja Högele steht im Wohnzimmer der schmucken Politiker-Villa. Sie starrt aus dem Fenster. Ein raumhohes Fenster mit einem schönen Blick über die Stadt. Tonja hat eben erfahren, dass ihr Mann Betram, der ambitionierte Politiker, Stammgast bei Prostituierten war. Eine von ihnen, Galina, ist ermordet worden. Bertram steht unter Verdacht. Die Kamera fährt langsam auf Tonjas verbittertes Gesicht zu. Im Hintergrund, leicht in der Unschärfe, ein merkwürdiges Gebäude, etwas unterhalb der Villa.     

-SCHNITT-

Die Villa, in der Szenen des letzten Stuttgarter Tatorts gedreht worden sind, steht in der Bopserwaldstraße in einer wirklich edlen Wohngegend zwischen City und Degerloch. Fast spannender als der Tatort ist die Geschichte des Gebäudes, das im Krimi immer wieder schemenhaft im Hintergrund zu sehen war.

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Das Teehaus im Weissenburgpark ist eine der wenigen Spuren, die der Jugendstil in Stuttgart hinterlassen hat. Wahrscheinlich war den reichen Schwaben der Jugendstil doch etwas zu verspielt, zu wenig zweckmäßig. Ernst Sieglin, der Chemie-Fabrikant und Kunstmäzen sah das etwas anders. Er ließ sich, nachdem er mit „Dr. Thomsons Waschpulver“ richtig Geld gemacht hatte, eine repräsentative Villa auf dem Bopser im Weissenburgpark bauen. Für sich selbst legte er einen kleinen Tennisplatz an, darunter ein opulent ausgestatteter Marmorsaal für seine Rauch- und Debattierabende mit den  Herren der besseren Stuttgarter Gesellschaft. Das kann man sich lebhaft vorstellen: Zigarrenduft in der Luft, einen Weinbrand in der Hand, ging es immer wieder um Archäologie, seine große Leidenschaft, um die Grabungen, die er in Ägypten finanziert hatte. Und weil er bei diesen Herrenrunden nicht von seiner Gattin und deren Frendinnen gestört werden wollte, ließ er 1913 für das Damenkränzchen den klassischen, im Inneren wunderbar verspielten Pavillon bauen. Die leicht kitschige Deckenbemalung von Julius Mössel wurde bei der Renovierung des Teehauses vor etwa 20 Jahren komplett wieder hergestellt.

100_1936Das Teehaus ist eine der feinsten Aussichts- und Wohlfühladressen in Stuttgarter Halbhöhenlage. Im kleinen Rundgebäude finden etwa 30 Personen Platz, draußen auf der Terrasse etwa 200. Wer mag, kann das Teehaus für seine private Feier mieten. Nur wenige Schritte vom Teehaus entfernt liegt auf einer kleinen Anhöhe das Denkmal für den Maler Reinhold Nägele, Begründer der Stuttgarter Secession, der von den Nazis außer Landes getrieben wurde, in New York im Exil leben mußte und erst im  Jahr 1962 wieder nach Stuttgart heimgekehrt ist. Von diesem Platz hat man eine wirklich wunderschöne Sicht über Stuttgart. Die Sonnenuntergänge hier oben bei einem Gläschen Wein sind bei Paaren jeden Alters ziemlich beliebt.          

 – SCHNITT –

Betram Högele war übrigens nicht der Mörder der Prostituierten Galina.

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