Stadt, Land, Fluß

Getreide-Lagerhaus im Hafen Albern

Getreide-Lagerhaus im Hafen Albern

Es gibt Plätze, die gehen irgendwann mal verloren… ohne dass man sie wirklich wahrgenommen hat. Einerseits weil sie ihre Bedeutung verloren haben und verfallen – oder weil sie plattgemacht werden, großen, neuen und meist teuren Plänen weichen müssen. Erst wenn diese Plätze nicht mehr da sind, erinnert man sich an den ganz besonderen Charme, die ganz besondere Geschichte, die ganz besondere Bedeutung. Einer dieser Plätze ist der Hafen von Albern nahe Wien.
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Albern war ein kleines Kuhnest vor den Toren von Wien.1938 wird der Landflecken zu Groß-Wien eingemeindet als Teil des 23. Bezirks. Zwangsarbeiter bauen von 1939 bis 1942 den Getreidehafen, fünf der riesigen Getreidespeicher stehen heute noch, sind noch in Betrieb und gammeln langsam vor sich hin. Hierher verirrt sich  kaum ein Mensch , es sei denn er steuert einen der Getreidtrucks. Im großen Hafenbecken mit der angrenzenden Auenlandschaft haben sich die Biber breit gemacht. Jetzt  droht diesem nostalgischen Platz das Ende, der Fortschritt wird hier Einzug halten.

100_1805Fortschritt heißt: in die Wiener Häfen werden rund 150 Millionen Euro investiert. Der Hafen von Albern wird mit einem Hafentor hochwassersicher gemacht. Positiver Nebeneffekt: etwa 100 000 Quadratmeter neue „Betriebsfläche“ entstehen, für ein Logistikzentrum der DB, Bürogebäude und ein Recyclingcenter. Und die Getreidespeicher werden sozusagen als Dreingabe einen neuen Anstrich erhalten. „Das Gebiet Albern zählt zu den wichtigen Immobilienassets des Wiener Hafens“, ist in der Presse zu lesen. Noch steht nicht zu befürchten, dass der „Friedhof der Namenlosen“ am Rande des Hafenbeckens von der „neuen Zeit“ bedroht sein wird.

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3 Gedanken zu “Stadt, Land, Fluß

  1. Was wir unbedingt noch nachholen müssen: den Film zum Schauplatz. Wienerinnen von Kurt Steinwender. Ein skurriler und wenig bekannter Film des österreichischen Nachkriegskino im Stil des italienischen Cine Noir gedreht. Da spielt eine Episode um und in den Getreidesilos des Alberner Hafens. Wird nachgeholt. Versprochen!

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