Vergißmeinnicht im Totenhau

Jüdischer Friedhof Mühringen
Jüdischer Friedhof Mühringen

Hoch über dem Eyachtal, einem Nebenfluß des Neckars, liegt der jüdische Friedhof von Mühringen – im Gewann „Totenhau“. Mühringen, heute ein Stadtteil von Horb a.N., war wohl schon im 16. Jahrhundert eine von Juden besiedelte Gemeinde. Weil in der kleinen Ortschaft auch ein Rabbinat beheimatet war, wuchs die Zahl der jüdischen Bürger ständig – Mitte des 19. Jahrhunderts waren es über 500. 

100_1494 Mühringen war für die zahlreichen kleinen jüdischen Landgemeinden in der Gegend ein wichtiger religiöser Bezugspunkt. Da Mühringen als erste Gemeinde in der Gegend einen jüdischen Friedhof hatte, wurden zunächst viele Juden aus dem umliegenden Gemeinden hier beigesetzt. Im 19. Jahrhundert  setzte die erste große Auswanderungswelle ein, Anfang des 20 Jahrhunderts waren noch knapp 100 Juden in Mühringen gemeldet. Bei der Machtübernahme der Nazis waren es noch etwa 40 gewesen. Die letzten 14 Mühringer Juden wurden in Konzentrationslagern umgebracht.

Aus Mühringen stammte die Familie Berlizheimer, die sich im 17. Jahrhundert hier ansiedelte. Einer der Berlizheimer, Leopold, war nach Amerika ausgewandert, hatte sich dort einen anderen Namen gegeben: er ist der Gründer der Berlitz- Sprachschulen. Emily Rose, eine jüdischstämmige amerikanische Historikerin und Nachfahrin von Leopold, hat die Geschichte der Familie und anderer Mühringer Juden recherchiert und im Buch „Als Moises Kaz seine Stadt vor Napoleon rettete“ (Theiss-Verlag Stuttgart) veröffentlicht.

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2 Gedanken zu “Vergißmeinnicht im Totenhau

  1. Heyo Rich,

    ja, das ist ein sehr stimmungsvoller Platz – wie die meisten der jüdischen Friedhöfe in meiner alten Heimat.

    Die Arbeit des Entzifferns hat dir übrigens schon jemand abgenommen:

    http://www.uni-heidelberg.de/institute/sonst/aj/FRIEDHOF/ALLGEM/p-bund.htm#zentralarchiv

    Da kann man wirklich nicht meckern. Die Wissenschaftler haben an die 100 000 Grabsteine dokumentiert. Aber die wirklichen Geschichten der jüngeren Geschichte müssen die Menschen erzählen, die das noch miterlebt haben.

  2. Lieber wassily,

    ein wunderbarer „lost place“, an dem ich gerne verweilen würde, an dem ich gerne versuchen würde, die Inschriften zu entziffern….

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