Rätselhafte Nachbarn

austriaLiebe Freunde in Österreich,
ich weiß jetzt nicht genau, warum mir das ausgerechnet heute alles passiert. Ist heute ein besonderes Datum, ein Gedenktag, der mir irgendwie durchgerutscht ist? Das muß doch eine Bedeutung haben, kann kein Zufall sein.

Aber erstens habe ich in einem Stadtmagazin dieses gelesen:„Österreicher sind wie Deutsche, nur mit Hut „. Dieser Satz fiel in der Ankündigung der „Wiener Woche“, die wir nächste Woche in einigen Theatern in Stuttgart feiern werden und auf die man getrost sehr gespannt sein darf, weil wirklich hochkarätige Künstler, Schriftsteller und Musiker die Stuttgarter Bühnen bereichern werden.

Damit nicht genug – jetzt bin ich auch noch zweitens über einen sehr seltsamen Menschen gestolpert: ein gewisser Franz Weinpolter , er ist der König, vielleicht sogar der Kaiser der Leserbriefschreiber. Und ist ein noch größeres Mysterium als der oben zitierte Satz. Herr Weinpolter ist in der Alpenrepublik ganz offensichtlich eine Berühmtheit. Er steht rein rechnerisch jeden dritten Tag in der größten Zeitung der Alpenpepublik und im Mittelpunkt gleich zweier Blogs, die ich gefunden habe.

Der Blog „Wissen belastet“ von Max Kossatz aus Wien beschäftigt sich in fast wissenschaftlicher Weise mit den Leserbriefen in der KRONE, führt statistisch auf, wer zu welchen Themen und Parteien geschrieben hat, woher er stammt und so weiter – illustriert mit allerlei Grafiken. Max beschäftigt sich häufig mit dem medialen Leben in Österreich und liefert immer wieder interessante Einblicke in die Absonderlichkeiten von Sendern und Verlagen.

Der zweite Blog von Erika Gutjahr (ebenfalls Wien) wirft einen speziellen Blick auf die Neue Kronen Zeitung, weinpolter2 die auflagenstärkste Zeitung Österreichs, die auch in Deutschland einen ziemlich zweifelhaften Ruf genießt. Auch in diesem Blog spielt der Herr Weinpolter eine Rolle, ist sogar in einem Zeitungsausriss zu sehen. Erika beschriebt in ihrem Blog auch sehr eindrücklich, was die KRONE aus ihrer Sicht so gefährlich macht.

Und dabei spielen Menschen wie der Herr Weinpolter eine wichtige Rolle. Er ist sozusagen „Vox populi“ in Person, erweckt mit seiner Vielschreiberei den Eindruck einer offenen Diskussionskultur im Blatt – untermauert damit aber letzlich nur die reaktionäre und häufig rassistische Grundhaltung der Redaktion und vor allem des Verlegers Hans Dichand.

Ist Herr Weinpolter das, was man sich unter dem gewöhnlichen Wiener Grantler vorstellt, dem ewigen Nörgler an allem, was andersartig (= abartig) ist, der alles in Frage stellt, was farbig, schwul und links ist – und der im Jubiläumsjahr 2008 immer das Wort vom „Zwangs – Anschluß“ im Munde geführt hat. Gibt es den Herrn Weinpolter wirklich, oder ist er ein Phantom (in Wirklichkeit Dichand selbst, dem nachgesagt wird, den einen oder anderen bösartigen Leserbrief selbst geschrieben zu haben) oder ein von der Krone bezahlter Schreiberling aus dem „einfachen Volk“ ???

Liebe Freunde in Österreich,

helft mir weiter, klärt mich auf. Sonst muß ich mich in drei Wochen selbst auf die Suche nach dem Herrn Weinpolter machen.

P.S.:
Die beiden Blogs habe ich in meine Blogroll gestellt

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2 Comments

  1. Danke Jou,

    eine großartige Dokumentation: glänzend gedreht, geschnitten und erzählt, nicht anklagend… aber entlarvend.
    Nur: manchmal bleibt einem das Lachen im Hals stecken.

  2. Lieber Wassily,

    die Krone ist das größte Übel in Österreich. Oder nein: Krone Leser sind das größte Übel in Österreich. Und somit wahrscheinlich 3/4 der Österreicher und Österreicherinnen. Ob mit oder ohne Hut sei dahingestellt…

    Ehrlich gesagt, war mir der Name Weinpolter bisher jedoch kein Begriff, da ich dieses Blatt meide, um nicht zu sagen fürchte wie die Pest. Ich bin sogar der festen Überzeugung, dass dieses Blatt eine Art schleichendes Gedankengift verströmt, das stückchenweise die Nation vergiftete.
    Aber das ist so, wie mit der Henne und dem Ei – ist es die üble Gesinnung der Alpenrepublikaner, die in der Krone verdichtet wird oder ist es Herr Dichand, der das Volk verhetzt? Wer weiß das schon.

    Ixh empfehle zur Vertiefung in die Materie die fabelhafte Doku „Kronen Zeitung – Tag für Tag ein Boulevardstück“ (Arte/Nathalie Borgers)

    Dichand war nach Ausstrahlung der Sendung so fuchstteufelswild, dass er Arte monatelang aus dem Fernsehprogramm der Kronen Zeitung verbannte.

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