Schwäbisch für Anfänger (1)

wurttembergEs gibt Menschen, die behaupten, Schwäbisch sei keine Sprache, sondern eine Beleidigung der Gehörgänge. Diese Menschen leben überwiegend im Norden der Bundesrepublik. Diese Menschen glauben, es reiche schon, hinter jedes Substantiv ein verniedlichendes -le zu hängen und das wäre dann schon Schwäbisch. Das klingt dann etwa so:

Mir hoißet älle Hägele ond fahret Jahreswägele“

Dieser Liedtext der Combo „Kleine Tierschau“ beinhaltet schon so ziemlich alle Vorurteile über die Schwaben – es fehlt eigentlich nur noch die Kehrwoche.

Wer die Schwaben und damit das Schwäbisch wirklich verstehen will, sollte sich nicht nur mit dem Diminutiv beschäftigen, sondern mit Thaddäus Troll. Er war nicht nur von Geburt Schwabe, sondern ein Schwabe, der seine Landsleute mochte –  mit all ihren Schrulligkeiten, Komplexen und Neurosen. Walter Jens, der jahrzehntelang in Tübingen gewirkt hat, verglich ihn mit Tucholsky und schrieb über Troll: „Einer der letzten großen Impressionisten deutscher Sprache, ein Mann, der Worte, in immer neuem Umkreisen, zum Leuchten bringen kann.“

In loser Folge will ich versuchen, der geneigten norddeutschen Leserschaft den Schwaben und das Schwäbisch näher zu bringen. denn Schwäbisch ist kein Dialekt – es ist eine eigene Sprache. Ein Lexikon der schwäbischen Sprache bringt es immerhin auf 7 000 Einträge.

Beginnen wir ganz sachte mit einem Gedicht von Helmut Pfister, das uns etwas über das pietistische Wesen der Schwaben verrät. Tatsache ist, dass manche Schwaben die Welt als Jammertal empfinden, brav ihren Pflichten nachkommen, sich jegliche Sinneslust verbieten… und auf bessere Zeiten im Himmel hoffen. Von Pfister wird diese noch durchaus verbreitete Lebenseinstellung freilich mit dem ebenfalls typischen schwäbischen Hintersinn kommentiert: 

„s`schaffa ghörd abgschaffd
daß mr endlich zeid hod
fir a oschdendichs gschäfd!“

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20 Gedanken zu “Schwäbisch für Anfänger (1)

  1. GG alias connect:
    Das ist doch prima, dann kannst du als gelernte Alb-Schwäbin den Damen und Herren in der Hauptstadt mal erklären, warum Schupfnudeln erstens so heißen und zweitens bei uns „Bubaspitzle“ genannt werden.

  2. Vilmos

    mit der Wahl eurer QCN-Location habt ihr mir schon einen Teil der schwäbischen Anatomie vorweggenommen.“Seggel“ ist eigentlich eine Bezeichnung für das männliche Geschlechtsteil, wird aber zumeist als Schimpfwort im Sinne von Idiot oder Trottel gebraucht. Was nur das eine mit dem anderen zu tun hat ?

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