Die fürchterliche Schlacht von Costuza

Es ist ein brütend heißer Tag im Sommer 1866, Sonntag, der 24. Juni. Südwestlich von Verona stehen sich italienische Truppen unter General Alfonso La Marmora und das österreichische Heer unter Erzherzog Albrecht gegenüber, insgesamt 140 000 Soldaten. Eine entscheidende Schlacht im dritten italienischen Unabhängigkeitskrieg steht bevor – in den Hügeln und der Ebene bei Custoza. Auf jenem Schlachtfeld also, auf dem sich Österreicher und Italiener schon einmal, im Juli 1848, gegenüber gestanden sind. Damals hat Radetzky einen triumphalen Erfolg gefeiert.

In den Aufzeichnungen heißt es über diesen Tag: „Der Kampf dauerte in glühender Hitze den ganzen Tag. Gegen 19.00 Uhr war das schlecht geführte italienische Heer trotz aller Tapferkeit geschlagen, seine letzte Position auf der Höhe von Custoza genommen, der Rückzug unvermeidlich. Der Verlust der Italiener betrug 7581, der der Österreicher 7958 Mann.“

Wie grausam diese Schlacht gewesen ist, kann man im kleinen Museum von Villafranca di Verona ansatzweise nachvollziehen – dort sind Gewehre mit furchterregenden Bajonetten und Stiche der Schlacht ausgestellt. Die wirklichen, schrecklichen Ergebnisse dieser waffenstarrenden Schlacht findet man einige Kiometer nördlich, in Custoza, einem kleinen Flecken an einer Anhöhe.

Friedrich Engels schreibt im „Manchester Guardian“ unter anderem über das italienische Heer: „Es war zweifellos ein Fehler, die Hauptkräfte in die Ebene zu schicken, während die beherrschenden Höhen, die entscheidenden Punkte vernachlässigt wurden… Nationale Begeisterung ist eine vortreffliche und fördernde Sache, doch wenn sie nicht mit Disziplin und Organisiertheit gepaart ist, kann niemand eine Schlacht damit gewinnen.“

Ziemlich genau 13 Jahre später:der Pfarrer von Custoza, Don Gaetano Piratelli, ist am Ziel seiner hartnäckigen Arbeit angekommen. Auf dem Hügel oberhalb von Custoza wird der monumentale Ossario eingeweiht. Kaiser Franz Josef von Österreich verleiht dem Pfarrer in einem Schreiben vom 17. August 1879 das Ritterkreuz für seine Verdienste um die österreichisch-italienische Versöhnung.

Die Gedenkstätte ist weithin sichtbar: auf dem Hügel trohnt ein mächtiger Obelisk, geziert von der italienischen Trikolore. Im Keller sind die Gebeine und Schädel tausender in der Schlacht getöteter Soldaten aufgestapelt oder fein säuberlich in Regalen aufgereiht. Einzelne Tote konnten identifiziert werden, tragen Namensschilder: Franz Dimatschex, Carlo Staffex, Mose Eschra oder Capitano Luigi Giordanelli – allesamt getötet an diesem 24. Juni 1866.

Ein grotesker Anblick.Es fällt schwer, angesichts dieser bizarren Anordnung so etwas wie Trauer oder Mitgefühl zu entwickeln. Es bleibt der Eindruck, dass Soldaten, die als Kanonenfutter in die Schlacht geschickt worden sind, ein zweites Mal zu Opfern werden – Opfer einer ziemlich pathetischen und nationalistischen Geschichtsverherrlichung.

Ossario von Custoza täglich geöffnet bis auf Montag

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4 Gedanken zu “Die fürchterliche Schlacht von Costuza

  1. Doppelt absurd: Ein Denkmal, das den Kampf heroisieren soll, funktioniert nicht mit den Schädeln der Gefallenen. Die sagen dem Betrachter nur allzu deutlich: Bedenke, daß du sterben mußt — und schneller geht es im Krieg.

  2. Ganz schön gruseliger Anblick. Aber ich muss gestehen, ich mag sowas ja… Und irgendwie drücken diese fein säuberlichen Schädelketten, wie Marmelade- und Gurkengläser im Keller de la mamma doch auch das aus, was Krieg darstellt: Absurdität.

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