Gedanken zum Gedenken

Das Gedenken an die Opfer der Neonazis ist nun doch etwas routiniert ausgefallen. Es war nicht gerade so, dass ganz Deutschland um Punkt 12 Uhr aus Protest (auch gegen die katastrophale Ermittlungsarbeit von Verfassungsschutz, Polizei und Staatsanwaltschaft) still gestanden hätte. Kanzlerin Merkel als Ersatzrednerin für den abhanden gekommenen Bundespräsidenten hat ihre Sache bemüht absolviert. Nur die emotionalen Ansprachen der Hinterbliebenen haben wirklich angerührt, bewegt und aufgerüttelt.

In Neckarsulm bei Heilbronn ist ein Großbäcker einen anderen, glaubhaften und hoffnungsstiftenden Weg gegangen. Rolf Härdtner, Chef des Bretzel- und Brötchenherstellers, hat mit seinen 60 Mitarbeitern nach der Schweigeminute darüber diskutiert, woher die schleichende Menschenverachtung kommen und was jeder einzelne dagegen machen kann. Das wirkt eher als staatstragende Anteilnahme. Die Belegschaft der Großbäckerei ist … multikulturell.