Alte Meister
“Man soll dann aufhören, wenn es am schönsten ist”, sagt der Volksmund fälschlicherweise. Manchmal variiere ich diesen Spruch. Und zwar dann, wenn ich an einem gut sortierten Plattenladen vorbei komme – und mir einige alte Meister aus dem Regal fische. Ich will wissen, ob sich das immer noch so schön anhört, wie seinerzeit. Heute mal wieder die Probe aufs Exempel.
- Emerson,Lake & Palmer
- Alan Parsons
- Shirley Bassey
So kann Mussorgski auch gehen: Bilder einer Ausstellung – bombastisch, eine Synthesizer-Orgie, die noch heute unter die Haut und ins Hirn fährt. ELP, das ist die Vereinigung dreier Superstars der frühen 70er. Keith Emerson von The Nice am Moog, Greg Lake von King Crimson (Bass, Gesang) und Carl Palmer von Atomic Rooster. Wenn man sich überlegt, dass eigentlich noch Jimi Hendrix dazu hätte gehören sollen…
Das Album, leicht größenwahnsinnig von seinem Ansatz her und wohl auch aus der Konkurrenz zu Pink Floyd und Yes entstanden, ist bis heute kein bisschen peinlich. Das können nicht alle einstigen Rock-Idole von sich behaupten. Bands wie ELP haben es geschafft, dass wir jungen Leute auf Umwegen mit großen Musikern wie Mussorgski, Bach oder Tschaikowski in Berührung kamen. Und auch mein ehemaliger Musiklehrer, ein etwas schrulliger Kerl, fühlte sich von ELP herausgefordert. Er spielte uns Bilder einer Ausstellung ensuite vor – ohne Notenblatt! Auch das war durchaus beeindruckend.
Mit Edgar Allan Poe hat sich Alan Parsons auch einen großen Ideenstifter ausgesucht. Parsons hat sich als Techniker bei den Beatles und – schon wieder – Pink Floyd bleibende Meriten erworben. Das Poe-Album wurde folgerichtig in den Abbey Road Studios eingespielt und abgemischt. Nicht mal die Stimme von Orson Welles kann das Opus noch retten. Es sind zuviele süßlich-plätschernde oder auf düstere Effekte getrimmte Passagen dabei, immer wieder gebrochen von schnulzig-schleimenden Geigen. Naja – brauchbar, aber kein Album, das mich auf eine wirkliche Zeitreise mitnimmt.
Und jetzt die große alte Dame, mittlerweile 75 Jahre alt: Shirley Bassey ! Passt vom Stil her irgendwie überhaupt nicht zu den beiden anderen Platten. Klassische Tellerwäscherkarriere – arme Verhälnisse, früh schwanger, Kellenerin mit Ambitionen und Auftritten in den Pubs in Cardiff. Die drei Titelsongs für James Bond Filme machen sie unsterblich. Ich liebe “Something”, “Light my fire” und “I who had nothing”. Schmeichelstimme, wenn nötig, kraftvoll, wenn geboten. Und sie: immer glamourös, wenn es auf die Bühne geht, mit hautengem Abendkleid und Stola. Mit 70 veröffentlicht sie noch das Album “Get the party startet”. Genau !



1) Genau. 2) Genau. 3) Genau.
Man schaffe ein Harmonium herbei, um den Dreiklang der Übereinstimmung unserer Einschätzung dieser Platten zu intonieren.
Ich habe die auch noch auf Platte und seit kurzem wieder einen Plattenspieler am Start. Ist ganz ungewohnt, nach der Hälfte der Spielzeit das schwarze Ding umdrehen zu müssen…
Schöne Auswahl!
Die Tales of Mystery and Imagination besitze ich noch selbst auf Vinyl, das ich allerdings im Moment nicht hören kann, weil ‘was mit den Anschlüssen vom Plattenspieler ist’…The Raven ist mir allerdings vor kurzem im Radio untergekommen, und ich habe mich gefreut und erinnert. Mal sehen, wie das Werk in seiner Gesamtheit heute auf mich wirkt.