Mitgenommen
“Die Bürger mitnehmen” – ich kann diese Floskel nicht mehr hören. Mitnehmen in diesem und jenem Konflikt, mitnehmen auf dem Weg an die Macht, in die Zukunft, wohin auch immer. Es gibt keinen mehr, ob Kanzlerin oder Dorfschultes, der die Bürger nicht mitnehmen will. Am besten erst abholen – und dann mitnehmen. Das klingt nach Kidnapping, nach Zwangsbegeisterung in Zwangsjacken. Lasst mich bloß in Frieden, ich bin alt genug, um selbst voran zu kommen.
Mitnehmen kann man vieles. Zum Beispiel Fahrgäste. Das ist heute im Stuttgarter Nahverkehr nur rudimentär gelungen. Nach einem Kabelbrand ist die S-Bahn kollabiert, an den U-Bahn-Haltestellen spielten sich tokyoverdächtige Dramen ab. Ich hab nur darauf gewartet, dass die Wartegäste lautstark “Nehmt uns mit – wir sind das Volk !” skandiert haben.
Mitnehmen hat viele andere Bedeutungen. Und da sind wir schon wieder bei der Politik: entwenden, einkassieren, an sich nehmen, ausrauben oder plündern sind auch Synonyme dafür. Der Mitnahme-Effekt ist also nicht etwa die Bezeichnung für besonders erfolgreiche, bürgernahe Politik. Dergestalt mitgenommen blickte Herr Wulff heute aus der Wäsche, während seine Gattin ihr Zahnpasta-Lächeln im feschen Kostümchen präsentierte.
Wirklich mitgenommen bin ich, seit Dienstagfrüh. Mitgenommen im Sinne von aufgewühlt. Ich gehe seitdem nicht mehr in die Innenstadt, weil ich mir solche Bilder nicht zumuten will.
Es könnte passieren, dass ich am Bauzaun die Contenance verliere – und mich die noch zahlreich vertretene Polizei wirklich mitnimmt, dahin, wo ich auch nicht hin will.

Am liebsten wäre es mir die machen “ihre” Arbeit und das professionell. Quatschen können wir alleine.
Und ich sage, dass ich auch nicht gern so mitgenommen werde. Ich hasse es übrigens, wenn Merkel und andere Politiker nicht einfach etwas sagen, sondern das Gesagte mit der Floskel einleiten, dass sie es sagen.
So mitgenommen werden will ich wirklich nicht… puh…
den Bürger mitnehmen – klingt wie “den Bürger in die Tasche packen” Und ist wahrscheinlich oft auch so gemeint.
Welch Anblick?! Mir blutet das Herz im Gedenken an eine meiner alten Heimaten! Auf dem Killesberg sieht auch alles so vermurkst aus, was ist bloss los in dieser Stadt?
Stuttgart ist zur heimlichen Meotropole der Investoren verkommen. Hier lässt sich noch glänzend Geld machen, unterstützt von einer ängstlichen Stadtverwaltung und einem Gemeinderat ohne Arsch in der Hose. Wenn die Fraktionsvorsitzenden schon Kotz (CDU) und Blind (SPD) heißen…
Ich werde auch immer ganz gern gefragt, bevor mich irgendwer irgendwohin mitnimmt. Am Ende gefällts mir da gar nicht?
Nunja. Wenn sie entsprechend aufforsten (es heißt ja immer, die Bäume werden »ersetzt«), dann habt ihr bald einen schönen, dichten Grüngürtel um Stuttgart. Dann kann die Stadt für ihre Mitgenommenen einen Waldkindergarten einrichten.
Abholen und mitnehmen, wie die Kinder vom Kindergarten. Ist klar, wir müssen auf den rechten Weg geführt werden, sonst verirren wir uns womöglich. — Ich rege mich ja selten auf … *argh*
Um einen anderen Dummschwätz zu verwenden: Ich bin da ganz bei dir.
Sehr gerne in politische Statements eingestreut wird auch:
“Der Ball liegt jetzt im Feld von…”.
Vielen Dank Wassily. Das Abholen und Mitnehmen, sei es im Zusammenhang mit BÜRGERN oder auch ARBEITNEHMERN geht mir schon seit Jahren auf die Nerven. Das ist oft die Diktion derer, die keinerlei Vorstellung über die Absurdität ihrer Abholprojekte haben.
Ganz Deiner Meinung.
Und – ohhhhh – neues Avatarbild… !
Hm, dachte ich personalisiere mich mal ein wenig, wobei es etwas blutrünstig wirkt.