Kraftprobe

Ich will jetzt nicht ernsthaft behaupten, der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland wäre besonders staatsfern. Dazu gibt es viel zu viele aktive Politiker in den Aufsichtsgremien. Immer wieder machen seltsame Personalentscheidungen die Runde, dann, wenn ein Parteisoldat plötzlich in einer nicht unmaßgeblichen Funktion im Programm oder in der Senderhierarchie auftaucht. Aber immerhin – man bemüht sich einigermaßen.

Was aber im Nachbarland Österreich seit Jahrzehnten selbstverständlich ist, gereicht einer Bananenrepubllik zur Ehre. Die Parteien haben den ORF zur Beute, zum Selbstbedienungsladen gemacht, mit einer ungenierten Chuzpe und Raffgier zugleich, die kaum zu fassen ist. Die Seilschaften -Ausnahme noch die Grünen – teilen sich ungeniert die wichtigen Posten auf – und am Ende gibt noch die Kronenzeitung ihren Segen dazu. Fertig.

Jetzt haben die Jounalisten des ORF (der übrigens zumindest zeitweise, vornehmlich donnerstags, ein wirklich anspruchsvolles und kritisches Programm an den Start bringt) die Schnauze gestrichen voll und gehen in einer bemerkenswerten Aktion an die Öffentlichkeit – gegen die eigene Geschäftsführung und das von Parteienfilz durchsetzte Aufsichtsgremium.

Hut ab, liebe Kollegen in der Alpenrepublik ! Ich drücke fest die Daumen, dass ihr Euch durchsetzen werdet. Nichts fürchten die Intriganten aus den Parteizentralen mehr, als eine wirkliche öffentliche Debatte.