
Ara pacis Medea in Friaul
Medea südlich von Udine hat einen hübschen und mythologischen Namen und ist doch ein ziemlich unspektakulärer Ort mit fast genau 1 000 Einwohnern: einige Weinbauern, Handwerker, ein Ristorante mit kalabresischen Spezialitäten, ein Tabacchi – das Übliche halt. Aber oberhalb der kleinen Landgemeinde, auf einem Hügel mit weiter Sicht ins Tal hinein, liegt die Gedenkstätte für die Gefallenen aller Kriege – ARA PACIS MUNDI. Eine für italienische Verhältnisse sehr bescheidene Stelle, um der vielen Toten zu gedenken, die hier im hügeligen Land an der slowenischen Grenze sinnlos ihr Leben lassen mussten, aufgerieben in einem irrsinnigen Stellungskrieg, der Züge des Wahnsinns von Verdun trägt.
Zwischen Juni 1915 und Oktober 1917 lagen sich in dieser Gegend die österreichische und die italienische Armee gegenüber. Insgesamt gab es zwölf mörderische Schlachten am Isonzo (die Italiener zählen nur elf – die zwölfte Schlacht brachte ihnen eine fürchterliche Niederlage). Das Gemetzel forderte einige hunderttausend Tote und eine ungezählte Zahl von Verwundeten und Krüppeln – für einen Landgewinn von wenigen Kilometern.
Es gibt etliche Hompages und Veröffentlichungen, die sich akribisch mit den Isonzo-Schlachten beschäftigen. Fast hat man den Eindruck, als verewigten sich darauf nur Detail-Fetischisten, so eiskalt und sachlich lesen sich die minutiösen Auflistungen von Toten, Verletzten, Gefangenen, Geländegewinnen, erbeutetem schweren Gerät. Dass die Schlachten am Isonzo das Inferno schlechthin waren, dass die Militärs ihre Soldaten wegen der Eroberung eines Hügels in den sicheren Tod schickten, dass es in großem Stil Giftgas vom Himmel regnete, ist kaum oder selten zu lesen.
Nur eine Eintragung lässt den wirklichen Schrecken erahnen:
„Sowohl feindliche wie auch eigene Artillerie zerwühlten Erde und Gefallene, so daß vor allem während des Schlachtengetümmels zerfetzte menschliche Leiber und Glieder herumlagen, die in mehr oder weniger starke Verwesung übergingen. Zusammen mit starken Niederschlägen entstand daraus ein übelriechender klebriger Brei. Rutschten auch unverwundete Soldaten in einen mit diesem Brei gefüllten Granattrichter, kamen sie elendiglich darin um.“
Ernest Hemingway hat diesen Schlachten im Roman „In einem anderen Land“ 1929 ein Denkmal gesetzt. Das Mahnmal oberhalb von Medea ist 1951 errichtet worden. Schlicht, würdig, unpathetisch – besonders in den Morgenstunden, wenn die weiche Herbstsonne flach auf den Hügel fällt. Es erinnert an die Gefallenen aller Kriege. Ein schreckliches Kapitel spielte sich in unmittelbarer Nähe ab – 888 Tage lang, am Ufer des Isonzo und in den Hügeln drumherum.
Auf der Bronzetafel des Mahnmals steht:

L`odio produce morte - l`amore genera vita
Danke für das Gedenken im Vergleich! Und danke für den Link zur exquisiten Homepage.
[...] trennen diese beiden Orte Welten. Beides sind Orte, an denen der Toten des Krieges gedacht wird. In Medea ergreifend schlicht, in Redipuglia mit Faschisten [...]
Und die letzten Tage der Menschheit fallen mir noch dazu ein. Da liest man das Grauen jedoch zwischen den Zeilen …
Jou,
das wäre natürlich was, 92 Jahre nach den grausamen Schlachten zwischen Italienern und Österreichern. Eine Lesung der „letzten Tage“ auf dem Gelände von Ara Pacis – mit Martin Haidinger.
Ich fürchte, da könnten auch nach 92 Jahren immer noch ein paar verschnupft drauf reagieren …
Gletschi,
vielen Dank. Es gibt kaum Informationen über ARA PACIS MUNDI, selbst vor Ort. Einige Hinweisschilder, das wars dann aber auch fast schon.
Gefunden habe ich aber eine italienische Homepage mit einem kleinen Bild- und Textarchiv. Diese Seite gibt einen guten Überblick über die Enstehung des Mahnmals.
Aber einen Besuch in Medea ersetzt sie natürlich nicht.
Weisst Du noch etwas über das Mahnmal. Dein Foto ist so beeindruckend.
Ich hatte den Artikel noch nicht zu Ende gelesen, da kam mir Ernest Hemingway in den Sinn, mit seinem Buch „In einem anderen Land“. Das hattest du dann ja auch erwähnt. Kriege sind sinnlos, gestern wie heute. Ein Kompliment an dein Engagement.