

Die Viennale ist nicht nur eine gute Gelegenheit, innerhalb kurzer Zeit viele Filme zu sehen (heuer: von desaströs wie Whiteheads „Terrorism considered as one of the fine arts“ bis großartig wie Coppolas „Tetro“ oder Gianfranco Rosis „Below sea level“ ), sondern auch, die Kinos der österreichischen Hauptstadt kennen zu lernen.

Ich hab mich regelrecht verknallt in das „Metro“ in der Johannesgasse. Ein wunderschönes, liebevoll restauriertes Lichtspielhaus, ein Traum aus Samt, Holz, Leder und Leuchtern, ein unglaublich intimes und atmosphärisches Kino, eine Erinnerung an die Zeit, als die Bilder laufen lernten.
Heutzutage ist das „Metro“ die Heimat des österreichischen Filmarchivs. Auf der Homepage des Film Archiv Austria ist die wechselvolle und spannende Geschichte des „Metro“ eindrucksvoll dokumentiert – ein ständiges Wechselbad zwischen künstlerischer Ambition, Niedergang und Aufbruch, Renditestreben und Widerstand. Wien darf sich glücklich schätzen, dass ein solches Juwel erstens erhalten geblieben ist und zweitens einer solch trefflichen Nutzung offen steht. Eigentlich gibt es am „Metro“ nur eines zu bemängeln: die Gastronomie im ersten Stock ist wie Whiteheads Film – schlicht und einfach desaströs.

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Gewisse Traditionen muss man einfach liebgewinnen. Zum Beispiel den täglichen Betriebsschluß im legendären Mineralbad „Berg“ im Stuttgarter Osten. Vor 153 Jahren ist dieses Mineralschwimmbad von Friedrich Neuner eröffnet worden – viele Stammgäste nennen deshalb das Bad auch schlicht “ das Neuner“. Seit ich mich erinnern kann ertönt zum Badeschluß über die schepprige Lautsprecheranlage der Schnulzenschlager „Auf Wiedersehen“. Das ist besonders witzig im Herbst oder Winter, wenn schon längst keine Badegäste mehr im Schwimmbecken unterwegs sind und das „Neuner“ im Scheinwerferlicht vor sich hin glänzt. Die meisten Badegäste kommen übrigens fast täglich wieder – für viele Stuttgarter ist ein Leben ohne das „Berg“ unvorstellbar.
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Monastero di Santa Maria in Valle – ist das nicht einfach ein himmlisch klingender Name ? So heißt das Kloster in der Landgemeinde Cividale del Friuli, die auf dem Weg zum Meer einen Abstecher lohnt. Immerhin war Cividale mal Hauptstadt der Region, bevor das nahe Udine dem kleinen Städtchen mit seinen 12 000 Einwohnern den Rang abgelaufen hat. Ein Spaziergang über die Kopfsteinpflastergassen durch die Stadt oberhalb des Flusses Natisone ist ein echtes Vergnügen. Vorbei am Rathaus mit seinen Laubengängen, am Denkmal des Stadtgründers Julis Cäsar über den Domplatz zur Teufelsbrücke – ein Postkartenmotiv reiht sich neben das andere.
Etwas versteckt liegt das ehemalige Benediktiner-Kloster aus dem 8. Jahrhundert mit seinem schönen Innenhof. Am Rand des Klosters, auf den Felsen hoch über dem Fluß, der Tiempetto Langobardo. Ein ziemlich mysteriöses und geheimnisvolles Heiligtum, aber weder ein Tempel, noch langobardisch. Man vermutet, dass die Stuckdekorationen und Freskenmalereien aus dem späten achten Jahrhundert stammen. Wen die zarten,eleganten Figurinen darstellen ist nicht gesichert. Vielleicht christliche Märtyrerinnen, vielleicht auch nicht. Das ist auch gut so, man darf schauen, staunen und weiter spekulieren – am besten bei einem Blick vom verwunschenen Klostergarten aus ins Flußtal und auf die umliegenden Hügel, auf denen schon Slowenien beginnt.

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Strand bei Miramare
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Unser Oetti (c) SWR
Ach, was wird er uns fehlen – unser Oetti. Der Ministerpräsident, der durch seine politische Tolpatschigkeit, seine Silben - Salven und sein rhetorisches Geschick längst jeder Beschreibung spottet. Er reißt eine gewaltige Lücke in diesem Bundesland, nicht nur bei den schaffigen Bürgern, sondern vor allem bei Kommentatoren und Karikaturisten. Was wird jetzt „Zur Sache“ machen, die beachtenswert kritische Politsendung im SWR . Muß sie jetzt ganz auf ihre Schießbudenfigur verzichten ?
Die Nachricht von der Berufung Oettis hat jedenfalls eingeschlagen wie eine Bombe. Ich sehe aber am Horizont keine Freudenfeuer brennen. Denn was nachkommen wird, ist noch eine Spur schlimmer. So schlimm, dass die wackere Nachrichtenmoderatorin im SWR heute ziemlich von der Rolle war, und gleich mehrfach davon gesprochen hat, dass CDU- Fraktionschef Mappus bereits „seinen Ring in den Hut geworfen“ hat. Ein zunächst komisches Bild – aber das Lachen wird uns schon noch im Hals stecken bleiben. Im Gegensatz zum Politkomiker Oetti ist Mappus ein ultrakonservativer Büchsenspanner und Strippenzieher. Einer aus der Reihe der beängstigend klebrig-machtgeilen Nachwuchskonservativen aus der Provinz.
Mappus hat etwas vom jungen Franz-Josef Strauß an sich, vom Aussehen her, aber auch vom Denken. Auf seiner Homepage ist nachzulesen, wohin die Reise mit ihm gehen soll – er will in der Union auch heimatverbundenen Patrioten,überzeugten Christen und wertebewußten Konservativen eine feste Heimat geben, geleitet von Tugenden wie Fleiß, Treue, Dispziplin und Anstand. Prost Mahlzeit – Vorwärts, zurück in die 50er!
Auch wenn es schwer fallen sollte, liebe Leute, glaubt es mir: es gibt auch ganz patente Schwaben, ehrlich !
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Von der „Gießener Allgemeinen“ bis zu den“ Kieler Nachrichten“ , von der LEBENSMITTEL PRAXIS (immerhin handelt es sich dabei um „das moderne Fachmagazin für die Entscheider im Handel“) bis hin zur Webseite des Notarztes Burghausen (! ?) – heute, an diesem Freitag, gibt es nur eine wirklich wichtige Headline:
„EU schützt schwäbische Maultasche“
Hach, das Wochenende fängt endlich mal gut an.
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„Um die bedeutende Vergangenheit treulich wieder zu schaffen, wird ein CD-ROM auf der Basilika realiziert. 200 Szenen, Texte, Bilder sind auf verschiedenen graphischen Innerseiten befragbar damit der Benutzer sich persoenlich einen neuen Schluessel es zum Lesen finden kann. “
Wenn mit derartiger Wortgewalt für ein architektonisches Meisterwerk Reklame gemacht wird, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder die Verfasser sind doof – oder sie leben liebenswert verschnarcht irgendwo hinter den sieben Bergen. Ich entscheide mich für die zweite Variante, weil auch ich zwei Anläufe gebraucht habe, um dieses kleine Wunder am Wegesrand zu entdecken.
Aquileia ist heute ein kleines, ruhiges Kuhnest mit knapp 4 000 Einwohnern. Es geht gemütlich zu in diesem kleinen Ort, das Eis in der kleinen Gelateria ist gut und billig, im Souvenirladen gibt es neben Mitbringseln mit dem Charme der 60er Jahre auch Dinge für den täglichen Bedarf. Ab und zu kommt ein Bus vorgefahren und spuckt eine Reisegruppe aus. Typ: deutsche Studienrätin im Ruhestand mit Freundinnen.
Vor über 2000 Jahren war Aquileia eine der ersten Adressen am Mittelmeer – mächtiges Handelszentrum, bedeutende Wirtschaftsmetropole, Bischofssitz. Kurz: eine Macht, eine Großstadt, als La serenissima noch auf keiner Landkarte eine Rolle spielte.
Bei meinem ersten Besuch in der Region Friaul-Julisch Venetien (was für eine scheußliche Bezeichnung für solch eine schöne Gegend) bin ich noch achtlos an den Schätzen Aquileias vorbeigefahren. Nach all den alten Steinen zuvor sollte es schnell ans Meer gehen. Heuer hab ich mir das Meer gespart und einen Mittag im beschaulichen Aquileia verbracht.
Ich will jetzt gar nicht die kunsthistorische Bedeutung der römischen Ausgrabungen oder die kirchengeschichtliche Einzigartigkeit der Basilika herunterbeten, das können andere überzeugender und profunder. Ich will jetzt mal eine Lanze für den italienischen Denkmalschutz brechen. Jawoll ! - den gibt es tatsächlich. Wahrlich nicht überall – aber in Aquileia ganz vorbildlich.
Die wunderbare Basilika ist ganz köstlich restauriert, die Umgebung des Kirchenviertels wird schonend und sehr dosiert neu gestaltet, hinter der Kirche ein beeindruckender Friedhof, drumrum auf den Wiesen liegen die römischen Säulen wie zufällig verstreut herum.
Der Kracher aber ist der über 700 Quadratmeter große Mosaikboden in der Basilika – und die Art und Weise, wie die italienischen Denkmalschützer diese Kostbarkeit neuerdings zugänglich gemacht haben. Man durchschreitet das wuchtige Kirchenportal und schwebt sozusagen über dem Mosik hinweg, auf Glasstegen, die von oben herab an Stahlträgern gehängt sind. So kann man nicht nur die komplette Basilika durchwandern, anschließend die zarten Fresken in der Krypta bewundern, sondern auch, wie durch ein Labyrinth, unter dem Campanile hindurch, die gesamten unterirdischen Anlagen Aquileias besichtigen.
Die Basilika von Aquileia ist UNESCO – Weltkulturerbe. Ich hoffe nicht, dass sich die Denkmalschützer mit ihrer feinen und zurückhaltenden Arbeit ein Eigentor geschossen haben und künftig ein Bus nach dem anderen in das kleine Örtchen einfällt. Den Charme von Aquiliea macht diese Ruhe aus , die den bemerkenswerten Komplex (noch) umwabert.

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Faschistischer Größenwahn: Redipuglia in Friaul
Zwischen Medea und Redipuglia in Friaul liegen nur einige Kilometer – und doch trennen diese beiden Orte Welten. Beides sind Orte, an denen der Toten des Krieges gedacht wird. In Medea ergreifend schlicht, in Redipuglia mit dem Pomp der italienischen Faschisten.
In Redipuglia wird die häufig zu beobachtende Heldenverehrung der Italiener für die Opfer des großen Krieges, des „grande guerra“, vollends pervertiert – eine Heldentreppe von der Durchgangstraße bis zum Gipfel des Monte Sei Busi in 22 Stufen, die sich einhundert Meter in die Höhe ziehen. Hier liegen über 100 000 Tote der Schlachten des ersten Weltkrieges – vom Soldaten Abate bis zum Soldaten Zuzzi. Die Inschrift „Presente“ ist dem militärischen Sprachgebrauch entnommen und entspricht einem „Hier !“ bei der Truppenparade.
Ursprünglich waren die Toten gegenüber, am Colle San Elia, und auf den umliegenden Hügeln bestattet. Das war Mussolini und seinen Spießgesellen aber zu banal. Der Architekt Giovanni Greppi plante auf Geheiß des Duce diese monumentale Szenerie wie einen Altar, der in seinen Ausmaßen Verdun und alles bisher Dagewesene übertreffen sollte. Mussolini ließ es sich natürlich nicht nehmen, bei der Einweihung am 18. September 1938 dabei zu sein. Von den 100 187 bestatteten Opfern waren nur etwa 40 000 namentlich bekannt – sie alle sind mit Namen, Dienstgrad und Todestag alphabetisch aufgelistet. Die unbekannten Soldaten sind in der obersten Treppe in Massengräbern bestattet.
Zu Fuß des Altars liegt prunkvoll der Sarkophag von Emanuel Philibert von Savoyen, Herzog von Aosta, im ersten Weltkrieg General der dritten italienischen Armee. Der bekennende Faschist starb 1931 in Turin, lange nach den Soldaten, die auch er in den sinnlosen Stellungskrieg getrieben hatte. Er wolle inmitten der Helden seiner dritten Armee begraben werden , hatte er angeblich auf dem Totenbett gesagt. Mussolini konnte das nur Recht sein – damit war die Glorifizierung des „grande guerra“ nach außen hin perfekt. Ein Spötter hatte damals erklärt, der General habe sich nur deshalb in Redipuglia bestatten lassen, weil er so viele Tote auf dem Gewissen hatte. Das brachte ihm eine Verhandlung vor einem faschistischen Sondergericht ein.

"Heiligtum der Hunderttausend"
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