RICH hat ein wunderbar geheimnisvolles Thema aufgeworfen, dass sich auch ohne Aufforderung zum Stöckchen eignet: Der Blick aus dem Fenster in Hitchcock-Manier, aber anders als Jeff alias James Stewart ohne Fernglas oder Teleobjektiv.
Ich bin etwas priveligiert. Von meiner Wohnung im fünften Stock habe ich erstens einen wunderbaren Blick in die Ferne und in die Tiefe, und zweitens kann ich auf drei Seiten einen kurzen Blick in anderer Leute Wohnzimmer und auf ihre Balkone erhaschen. Ein Beinahe-Rundum-Panorama.
So sieht die kleine Welt aus meinen Fenstern und Balkonen aus:
Im Lauf der Jahre hat man seinen Gegenübern oder Gegenuntern irgendwelche Spitznamen gegeben, die natürlich irgendwie damit zu tun haben, was sie meistens so in ihren eigenen vier Wänden anstellen.
Mein persönlicher Liebling ist ”Kasparow”, der Schachspieler. Es ist eine Freude, ihm beim Spiel zuzuschauen. Er spielt nämlich meistens gegen sich. Und: bei schwierigen Partien wechselt er tatsächlich die Perspektive und den Stuhl. Bemerkenswert! Neben Kasparow lebt ein junges Paar. Ich vermute mal, die haben ein Großkundenabo bei der GEZ. Bei den beiden läuft der Fernseher rund um die Uhr – spätnachts, früh am Morgen, über Mittag, immer. Manchmal frage ich mich, ob die beiden in diesem Alter nicht doch was Besseres zu tun haben.
Dann hätten wir noch den “Angler”. Ein freundlicher Grieche, der regelmäßig am Wochenende verschwindet, trotz seiner bezaubernd netten Frau. Die Tage davor steht er im Feinripp-Unterhemd auf dem Balkon und richtet liebevoll und sehnsüchtig seine Angeln für den Ausflug.
Im Nachbarhaus ganz unten: eine ziemlich durchschnittliche deutsche Familie. Die Mutter mag ich besonders. Sie liebt Van Morrison, ich auch. Sie hat mal nachts um 3 Uhr bei mir geklingelt. Es war Hochsommer, alle Fenster offen. Sie hat nicht gemeckert, nur gemeint – “Ahh, Have i told you lately – ist auch etwas leiser total gut”. Und ging wieder schlafen.
Drehen wir uns nach links: da wohnt, fast auf Augenhöhe ,”Harry”. Harry ist ein Althippie, graues Haar bis zum Po. Ich seh ihn gelegentlich am Wochenende auf dem Weg zum Markt – und garantiert einmal im Jahr beim Lab-Festival. Da ist er drei Tage Dauergast:T -shirt, Jeans-Shorts, Birkenstockschuhe… und graue selbstgestrickte Socken.
Zur Rechten: der Blick geht über die ganze Straßenflucht und endet meistens bei einer türkischen Familie. TRT-süchtig. Im Sommer sind alle Fenster offen, die weiten Vorhänge fallen aus dem Fenster, die ganze Familie hängt vor der Glotze ab, schwitzt vor sich hin, kommentiert lautstark Besiktas gegen was – weiß – ich und amüsiert sich wie Bolle über die TV-Shows im türkischen Satelliten-Fernsehen.
So Kasparow, jetzt bist du dran, was siehst du, wenn du aus dem Fenster rüberschaust, in meine Richtung. Schönen Gruß vom Nachbarn.
“Danke für die liebe Aufmerksamkeit!” sagt Barbara. Barbara ist die Stimme, die uns auf der “Kaiserin Elisabeth” von Wien nach Bratislava begleitet – unsichtbar, aber unüberhörbar. Barbara macht Werbung für den Stadtrundgang, bei dem den Fahrgästen nach zweieinhalb Stunden Donaufahrt die jüngste Hauptstadt der EU näher gebracht werden soll. Barbara erzählt von den Sehenswürdigkeiten Bratislavas, aber auch darüber, dass die Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr stark gestiegen ist, dass Bratislava mit seinen acht Hochschulen eine junge Stadt geworden ist. ”Jeder zehnte Würger der Slowakei lebt in der Hauptstadt” , sagt Barbara – oder glauben wir zumindest zu verstehen. “Danke für die liebe Aufmerksamkeit!”, meint Barbara.
Wir machen den Stadtrundgang ohne Barbara, wobei uns schon interessiert hätte, wer sich hinter der freundlichen Stimme mit dem lustigen deutsch-balkanesischen Dialekt versteckt. Nicht weil uns die 2,50€ für den Stadtrundgang zu teuer wären, aber die erste Begegnung mit einer fremden Stadt sollte nicht im Touristen – Rudel statfinden. Wir wollen und werden Dinge in Bratsilava sehen, die in keiner Stadtführung vorgesehen sind. Bratislava an der Donau hat etwa 500 000 Einwohner, eine überschaubare Altstadt unterhalb der Burg, Parlament, Opernhaus, Präsidentenpalais. Bratislava wirkt wie Esslingen oder Tübingen – nur dass auf dem gegenüberliegenden Donauufer Plattenbausiedlungen für zigtausende Menschen stehen.
Die erste Begegnung mit einer unbekannten Stadt findet am besten … im Kaffehaus statt. Die andernorts hochgerühmten Torten im “Café Mayer” erhalten nur eine gnädige Beurteilung. Schon besser: die Einmannband am Michaelsturm, die kleinen Details an den fein restaurierten Bürgerhäusern. Und jetzt beginnt eine abenteuerliche Suche nach dem unteridischen jüdischen Friedhof von Bratislava. Die freundliche Dame an der Hotelrezeption schickt uns irgendwohin. Natürlich werden wir trotz Stadtplan den Friedhof nicht finden – an diesem schwülen Sonntag.
Dafür aber einen deutschen Friedhof, ziemlich versteckt unterhalb der Burg, einen oberirdischen jüdischen Friedhof, und dann ”Chez David”, ein hübsches kleines jüdisches Restaurant mit flinker Küche und einem flinken Musiker an der klassichen Gitarre. Übrigens – den “unteridrischen Friedhof” mit dem Denkmal für den Rabbiner Chatam Sofer sehen wir dann auch noch, aus der vorbeirumpelnden Straßenbahn. Aussteigen – heute lieber nicht! Uns tun die Beine weh, die Kraft reicht noch für einen Spaziergang am Boulevard vor der Oper.
Weiter rumpeln wir zum Bahnhof von Bratislava. Er ist neben Budapest der zweite Endhaltepunkt der Europäischen Hochgeschwinigkeitsmagistrale, die von Paris her kommt. Na ja, hier gibts schon noch was zu tun. Nicht im deftigen kulinarischen Angebot, aber drumrum. Andernorts werden entlang der Magistrale Milliarden verbuddelt – hier würden einige Milliönchen schon ausreichen.

Tonja Högele steht im Wohnzimmer der schmucken Politiker-Villa. Sie starrt aus dem Fenster. Ein raumhohes Fenster mit einem schönen Blick über die Stadt. Tonja hat eben erfahren, dass ihr Mann Betram, der ambitionierte Politiker, Stammgast bei Prostituierten war. Eine von ihnen, Galina, ist ermordet worden. Bertram steht unter Verdacht. Die Kamera fährt langsam auf Tonjas verbittertes Gesicht zu. Im Hintergrund, leicht in der Unschärfe, ein merkwürdiges Gebäude, etwas unterhalb der Villa. 
Das Teehaus ist eine der feinsten Aussichts- und Wohlfühladressen in Stuttgarter Halbhöhenlage. Im kleinen Rundgebäude finden etwa 30 Personen Platz, draußen auf der Terrasse etwa 200. Wer mag, kann das Teehaus für seine private Feier mieten. Nur wenige Schritte vom Teehaus entfernt liegt auf einer kleinen Anhöhe das Denkmal für den Maler Reinhold Nägele, Begründer der Stuttgarter Secession, der von den Nazis außer Landes getrieben wurde, in New York im Exil leben mußte und erst im Jahr 1962 wieder nach Stuttgart heimgekehrt ist. Von diesem Platz hat man eine wirklich wunderschöne Sicht über Stuttgart. Die Sonnenuntergänge hier oben bei einem Gläschen Wein sind bei Paaren jeden Alters ziemlich beliebt.
Heute Mittag im ZDF, zufällig reingezappt.





Fritz Auer, Laudator bei der Ausstellung, hat bei Behnisch gelernt und gilt als ein international anerkannter Architekt und Stadtplaner. Er hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Investoren seien wichtiger als das Gemeinwohl, ein Flickenteppich von Einzelbauten gebe halt kein vernünftiges Ganzes. “Der Stadtboden gehört allen, nicht den Investoren” – das ist Ostertags Credo. Ostertag hat sich in seinem Kampf für “seine andere Stadt” jetzt einen bemerkenswerten Platz ausgesucht. Die Ausstellung ist in der Villa “Sonnenhalde” untergebracht, jenem Gebäude am Fuß des Killesbergs, in dem der Unternehmer und Kunstmäzen Hugo Borst in den 30er Jahren zum Mittelpunkt der Stuttgarter Society wurde. In diesem schönen Ambiente hat auch das 30 Quadratmeter – Gipsmodell der City, Maßstab 1: 1 000, seinen Platz gefunden. Ostertag ist der Zeit mal wieder voraus:Die sechsspurige Hauptstraße an der Kulturmeile ist schon überdeckelt und schön begrünt, der Hauptbahnhof ist und bleibt ein Kopfbahnhof. Auch eine Antwort auf die Frage “Stuttgart – wohin ?”.